Vorwerker Diakonie wendet sich mit Appell an die Landesregierung

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Lübeck (LOZ). Mit einem eindringlichen Appell hat sich die Geschäftsführung der Vorwerker Diakonie heute an die Landesregierung von Schleswig-Holstein gewandt. In ihrem Brief fordern die beiden Geschäftsführer Fred Mente und Johanne Hannemann dazu auf, die Träger der freien Wohlfahrtspflege in dieser Krisenzeit mehr in den Blick zu nehmen. „Wir tragen gemeinsam mit allen Trägern im Gesundheitswesen die Hauptlasten dieser Krise und sind dennoch im Vergleich zu Kliniken und Krankenhäusern aus dem Fokus geraten“, so Johanne Hannemann.

„Trotz der hohen Bedeutung des Gesundheits- und Sozialsystems in dieser Krise, hängt die Wohlfahrtspflege zurzeit am Ende der Versorgungskette“, so heißt es in dem Schreiben. Die Vorräte von Schutzausstattung für die eigenen Mitarbeitenden ließen sich seit Wochen wegen Lieferengpässen nicht weiter ausbauen. Die Vorwerker Diakonie fordert die Regierung daher dazu auf, Wohlfahrtspflegeeinrichtungen in die Versorgungskette für Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel mit aufzunehmen. „Wir hören in den Medien, dass Schutzausstattung in großem Umfang eingekauft und verteilt werden würde – bei uns kommt jedoch nichts an“, so Hannemann.

Außerdem seien Träger der freien Wohlfahrtspflege nicht in der Lage, die großen finanziellen Engpässe durch die aktuell geringeren Auslastungen ihrer Angebote oder Einnahmeeinbußen wegen Schließungsanordnungen mit eigenen Mitteln auszugleichen. Vielen sozialen Einrichtungen drohe ein Liquiditätsengpass, der ihr Überleben gefährde. Der gestrige Kabinettsbeschluss, 75 Prozent der durch die Krise entstehenden Kosten in der Wohlfahrtspflege über den Rettungsschirm abzusichern, sei in diesem Zusammenhang vage und unzureichend. Vor allem eine Absicherung der Werkstätten für Menschen mit Behinderung und der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sei nicht absehbar.

„Gemeinnützige Organisationen sind nicht in der Lage, die entstehenden Finanzlücken alleine zu schließen“, sagt Fred Mente. „Große Rücklagen wie in der freien Wirtschaft existieren hier nicht. Die Finanzierungssituation sozialer Dienstleistungen ermöglicht es auch nicht, solche Lücken in der Zukunft wieder zu schließen.“ Seine Sorge: „Es geht hier um die Frage, welche Versorgungsstruktur mittelfristig noch existiert. Und es geht um Arbeitsplätze und um die Menschen, die unsere Hilfe dringend benötigen.“

Die Geschäftsführung der Vorwerker Diakonie fordert deshalb verlässliche und umfängliche Finanzierungszusagen, die das Bestehen der Hilfsangebote für die Zukunft nach Corona sichern.

Zusatzinformation

Eine verbindliche Finanzierungszusage in der Wohlfahrtspflege existiert beispielsweise für die von Schließungen betroffenen Kindertagesstätten und Schulen. Auch die Pflege ist im Blick der Politik. Offen sind hingegen die Finanzierungen von Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sowie der Umgang mit Einnahmeverlusten in den Psychiatrien und weiteren ambulanten wie stationären Diensten.

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