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Kiel (LOZ. Innenminister Hans-Joachim Grote hat in seiner heutigen Landtagsrede erste Überlegungen für einen „Zukunftsplan Sportland Schleswig-Holstein“ vorgestellt. CDU, Grüne und FDP hatten in ihrem Antrag zu TOP 30 die Landesregierung gebeten, eine wissenschaftlich begleitete Sportentwicklungsplanung für Schleswig-Holstein durchzuführen.

Grote begrüßte die Initiative und betonte, dass es innerhalb des für den Sport zuständigen Innenministeriums bereits derartige Überlegungen gebe: „Das Sportverhalten der Menschen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, ohne dass Sportorganisationen und Kommunen darauf bisher wesentlich Einfluss genommen hätten. Deshalb streben wir eine wissenschaftlich untermauerte Analyse an, die uns Hinweise für die kommenden 20 Jahre geben soll.“

Nach Angaben des Ministers gibt es im Land immer mehr Menschen, die nicht mehr im Verein Sport treiben und die nicht mehr in Mannschaften spielen. Stattdessen würden sie unabhängig von Sportvereinen aktiv sein. Die Folge: Mitgliederrückgänge. Darauf müsse aus Sicht Grotes reagiert werden: „Es wird wichtiger werden, den öffentlichen Raum für sportliche Menschen bewegungsfreundlich zu gestalten. Denn dort treiben immer mehr von ihnen Sport.“

Die Entwicklung der vergangenen Jahre bekämen vor allem kleine und mittlere Vereine zu spüren. Viele von ihnen verzeichneten deutliche Mitgliederrückgänge. Damit sich diese Vereine für die Zukunft neu aufstellen könnten, bräuchten sie Unterstützung, ist Grote überzeugt: „Unter anderem diese Veränderungen gilt es, in einer wissenschaftlichen Studie und einer breit angelegten Befragung zu ermitteln. Die Ergebnisse sollten uns Hinweise dafür liefern, wie die Kommunen, die Vereine und die Verbände auf die Veränderungen reagieren sollten.“

Bereits in diesem Jahr werden nach Angaben Grotes erste Schritte gegangen. Die ersten Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung wolle das Ministerium bis Ende des kommenden Jahres ermitteln. Die gesamte Untersuchung müsse die künftigen Interessen der Bevölkerung, des organisierten Sports und der kommunalen Sportstättenplanung miteinander verknüpfen, erklärte der Innenminister: „Das Jahr 2020 könnte geeignet sein, den `Zukunftsplan Sportland Schleswig-Holstein´ vorzulegen. Dies sind ehrgeizige Ziele. Ich kenne bisher keine so breit angelegte Untersuchung aus einem anderen Bundesland.“ Bei dem damit einhergehenden finanziellen und personellen Aufwand hofft Grote auf die Unterstützung des Landtags.

Dazu die Sportpolitische Sprecherin der SPD Fraktion Kathrin Wagner-Bockey: „Die SPD-Fraktion sieht das Vorhaben der schwarzen Ampel, einen Landesentwicklungsplan auf den Weg zu bringen, kritisch. Aus dem Jahr 2015 gibt es umfangreiches, statistisches Datenmaterial. Damals hatte das Innenministerium in Zusammenarbeit u.a. mit dem Landessportverband und den Kreissportverbänden die Tendenzen der Sportentwicklung analysiert. In Anlehnung an diese Erkenntnisse wird deutlich, dass Sportentwicklungspläne auf kommunaler Ebene Sinn machen. Auf Landesebene hingegen werden sie schnell zu Papiertigern. Der aktuelle Antrag der schwarzen Ampel bleibt in seinen Überlegungen zu vage. Wichtige Aspekte wie die Entwicklung des Sports im Bereich der Inklusion, werden beispielsweise überhaupt nicht genannt.

Von Kommune zu Kommune, von Verein zu Verein gibt es große, individuelle Unterschiede. Was wir brauchen, sind flächendeckende, kommunale Sportentwicklungspläne, die die Sportstättensanierungen vor Ort in die Überlegungen mit einbeziehen. Damit würden die Kommunen in der Zusammenarbeit mit den Sportvereinen in die Lage versetzt werden, ihr Geld zielgerichtet und zukunftsorientiert auszugeben. Wir fordern das Land deshalb auf, hier neue finanzielle Anreize vor Ort zu bieten.“