Erwähnung des Ritters de Hachede (rot unterstrichen) in Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden, Bd. 1 (1886), Nr. 549: Deutsche Zusammenfassung (sog. Regest) des Urkundeninhalts, darunter die Zeugenliste, der Name des Ritters hier als „Zozelinus“ gelesen; Datierung: Um 1236 (in anderen Arbeiten wird abweichend auch 1228 vorgeschlagen).
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Geheimnisse und Besonderheiten der Geesthachter Geschichte lüftet jeden Monat in seinem „Archivfund des Monats“ Geesthachts Stadtarchivar Dr. Jan Klußmann. Im November begibt er sich auf die Spuren des ersten Mannes, von dem die historischen Schriften des Stadtarchivs berichten – tauchen Sie mit ihm in Geesthachts Geschichte ein:

von Dr. Jan Klußmann

Wer war die erste mit Namen überlieferte Person aus Geesthacht? Die Antwort auf diese Frage stellt die mittelalterliche Geschichte des Ortes, der damals noch Hachede hieß, in neues Licht.

Die Frage führt uns in die fremde Welt mittelalterlicher Urkunden. Der erste Personenname findet sich auf einer noch in Latein abgefassten Urkunde eines Ratzeburger Bischofs, von der nur noch eine mittelalterliche Abschrift existiert. Die Urkunde entstand um 1230 und regelte die Versorgung zweier wohl adliger Frauen, die sich als Nonnen von der Bergedorfer Kirche hatten aufnehmen lassen. Unser Geesthachter findet sich in der Reihe der Zeugen am Ende der Urkunde, die für die Rechtmäßigkeit des Dokuments einstanden: Nach den Zeugen aus geistlichem Stand folgten mit den letzten vier Personen adlige Grundherren aus der Region. Sie werden zum Schluss als „milites“ (Ritter) bezeichnet. Unter ihnen stand gleich an zweiter Stelle ein Mann, der je nach Lesart „Zozelinus“ oder „Jozelinus de Hachede“ hieß (= J. von/aus Hachede).

Bislang ging die Ortsgeschichte davon aus, dass Geesthacht von adliger Herrschaft immer frei gewesen sei. Wir haben hier aber einen lokalen Adligen vor uns, der um 1230 in Geesthacht saß und über den Ort geherrscht haben muss. Der Zusatz „de Hachede“ dürfte bereits als adliger, aus dem Stammsitz abgeleiteter Familienname zu lesen sein. Wo aber befand sich dieser Rittersitz? Magnus Prüß erwähnt in seinem Heimatbuch 1929 eine heute verschwundene Burg am Schäferberg, also auf der Erhebung oberhalb der Zentralen Sportanlage. Für diese Burg ist kein Besitzer bekannt, für die Kontrolle über Ort und Landstraße war ihre Lage jedenfalls perfekt.

Ungewöhnlich ist der Name unseres Ritters: Zozelinus hieß und heißt kein Mensch. Auch andere vorgeschlagene Lesarten wie Dodelinus scheiden aus. Jozelinus dagegen war im Mittelalter verbreitet. Es ist die latinisierte Form des altfranzösischen männlichen Vornamens „Joscelin“, der mit den Normannen auch nach England gelangte. Joscelin von Hachede mag als wichtiger Urkundenzeuge um 1230 bereits ein reiferes Alter erlangt haben, dürfte demnach um 1190/1200 geboren worden sein. Damals kam man zu seinem Namen zumeist durch Familientradition oder durch die Taufpaten. Aber wie kam ein französischer Vorname um 1200 an die Elbe? Direkte Beziehungen nach Frankreich gab es kaum.

Aber es war zugleich die Zeit der ersten gemeinsamen europäischen Expansion nach Übersee, die Zeit der Kreuzzüge: Sie waren von Beginn an vom franko-normannischen Adel geprägt, und hier begegnet uns der Name Joscelin an prominenter Stelle: Das französische Adelsgeschlecht Courtenay stellte u. a. über drei Generationen, von 1118 bis 1200, die Grafen bzw. Titulargrafen von Edessa, einem der Kreuzfahrerstaaten: Sie alle hießen Joscelin (I.-III.).

Am Dritten Kreuzzug (1189-1192) waren unter Kaiser Barbarossa dann auch viele Norddeutsche beteiligt und am sog. „Deutschen Kreuzzug“ 1197/1198 nahmen wiederum u. a. hunderte von Kreuzfahrern aus dem Lübecker Raum teil. Denkbar also, dass unser „Jozelinus“ im Heiligen Land als Sohn eines dieser Kreufahrer geboren wurde, und seinen exotischen Vornamen einem französischen oder normannischen Taufpaten verdankte. Oder vielleicht war seine Mutter von entsprechender Herkunft und führte im Namen ihres Sohnes ihre Familientraditionen fort. Irgendwann später muss dann Joscelin nach Geesthacht, dem mutmaßlichen väterlichen Heimatort, zurückgekehrt sein.

Wir wissen sonst nichts über ihn. Klar ist nur, dass die Ortsherrschaft seiner Familie spätestens bald nach 1300 endete. Denn zu jenem Zeitpunkt befand sich Hachede bereits im unmittelbaren Besitz der lauenburgischen Herzöge. Vielleicht ist unser Joscelin verwandt mit den nach 1300 in Hamburg und anderen Städten der Region nachweisbaren Patrizierfamilien de Hachede, war seine Familie also erneut ausgewandert. Als „von Hacht“ lebt der Familienname jedenfalls bis heute weiter.

Kurznachrichten Geesthacht

 


Verkehrsbehinderungen an der Norderstraße
Verkehrsteilnehmende müssen sich auf Behinderungen an der Geesthachter Norderstraße einstellen. Für Arbeiten an einem Stromanschluss werden in der Zeit vom 15. Dezember bis voraussichtlich 24. Dezember auf Höhe der Hausnummer 10 zeitweise Absperrungen im Bereich des Gehwegs und der Fahrbahn notwendig.


Sprechstunde der Geesthachter Behindertenbeauftragten
Heike Lehmann, Geesthachts Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, geht in die Weihnachtsferien. Vom 22. Dezember bis zum 2. Januar finden darum keine Sprechstunden statt. Die nächste Sprechstunde ist dann für Donnerstag, 8. Januar 2026, vorgesehen. Heike Lehmann bietet regelmäßig an jedem 1. Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr und an jedem letzten Dienstag im Monat von 11 bis 13 Uhr in den Räumen am Markt 5 bis 7 ihre offene Sprechstunde an. Menschen mit Handicap können sich in dieser Zeit mit Fragen und Anliegen bei ihr melden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Beratungsräume sind barrierefrei, die Beratung ist kostenfrei. Grundsätzlich ist Heike Lehmann telefonisch unter 0151-252 628 98 sowie per Email unter kontakt@geesthacht-beauftragter.de erreichbar.


Verkehrsbehinderungen in Geesthacht
Verkehrsteilnehmende müssen sich auf Behinderungen an der Berliner Straße in Geesthacht einstellen. Aufgrund von Pflege- und Fällarbeiten an mehreren Bäumen werden in der Zeit vom 15. bis zum 18. Dezember jeweils zwischen 9.30 Uhr und 15 Uhr im Rahmen von Tagesbaustellen temporär der Gehweg und die Fahrbahn gesperrt.


 Alkohol- und Drogenberatung
Die Alkohol- und Drogenberatung teilt mit, dass ab sofort die offenen Sprechstunden wieder stattfinden. Diese finden statt: dienstags von 16 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 11 Uhr, Markt 3 in Geesthacht und montags von 15 bis 17 Uhr, Mühlenweg 17 in Lauenburg. Zur Vermeidung von Wartezeiten wird um eine kurze telefonische Anmeldung unter 04152 / 791 48 gebeten.


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