Print Friendly, PDF & Email

Lesezeit: 5 Minuten

Schwarzenbek (sun). Auf Stadtkämmerer Jens-Ole Johannsen kommen anstrengende Monate zu. Zusätzlich zum Stadthaushalt 2019, der im Februar in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden soll, muss er die finanziellen Rahmenbedingungen für einige Großprojekte festzurren. Neben dem Kita-Neubau Kichererbse will die Politik das Bildungszentrum in der alten Realschule voranbringen und die Feuerwehr braucht ein neues Gerätehaus. Große Investitionen für Schwarzenbek, und nun könnte auch noch ein Funktionshallenbad hinzukommen, wenn die Politiker in Schwarzenbek und im Amt Schwarzenbek-Land im kommenden Jahr dazu einen positiven Grundsatzbeschluss fassen.

Dieser Beschluss ist der nächste Schritt in Richtung auf ein neues Schwimmbad, das in Schwarzenbek und Umgebung seit dem Abriss des alten Hallenbads im Jahr 2003 herbeigesehnt wird. Die Zeichen stehen gut, denn sowohl der Kreis Herzogtum Lauenburg unterstützt ein Schwimmbad im südlichen Kreisgebiet wie auch die für die Schulen zuständige Ministerin in Kiel den Schwimmunterricht in den Schulen. Fördermittel stehen bereit, aber meist für die Sanierung von bestehenden Schwimmbädern.

Um Fördermittel für einen Neubau zu ergattern, sollte sich die Bevölkerung in einer Bürgerinitiative „Pro Bad“ zusammenschließen und damit den politischen Gremien ein deutliches Zeichen und Rückenwind für die Entscheidung zugunsten eines Schwimmbads geben, so die Empfehlung des Beraters Dietmar Altenburg. Auch ein großzügiger Mäzen oder ein ansässiges Unternehmen könnten als Sponsoren den Badneubau hilfreich unterstützen. Altenburg hat für die Stadt Schwarzenbek und das Amt Schwarzenbek-Land die Machbarkeitsstudie zum Schwimmbad erarbeitet, die von der AktivRegion Sachsenwald-Elbe gefördert wird.

Dietmar Altenburg und seine Mitarbeiter erstellen pro Jahr 30 bis 40 Machbarkeitsstudien für Schwimmbäder in den Kommunen. Der Unternehmensberater brachte seine geballte Kompetenz in die Studie und ihre öffentliche Vorstellung am 5. Dezember im Forum des Schwarzenbeker Gymnasiums ein. Bernhard Böttel, FWS-Fraktionsvorsitzender, bedankte sich nach der gut einstündigen Präsentation für den „Klartext, den Sie gesprochen haben und die Entscheidungsgrundlage, die die Studie uns nun bietet“.

Altenburg legte allen Beteiligten ans Herz: „Je bescheidener Sie planen, desto eher bekommen Sie Fördermittel.“ Nicht nur die Investitionskosten müssten dabei betrachtet werden, sondern vor allem die Betriebskosten und der Kapitaldienst. Er geht von einer 100-prozentigen Fremdfinanzierung zu zwei Prozent über 20 Jahre aus. Das von ihm empfohlene Modell eines Schwimmbads sieht vor allem die Nutzung durch die Schulen und Vereine, aber auch durch „Familien in der Grundversorgung“ oder Kursangebote von Reha- oder Aquasport vor.

Vier 25-Meter-Bahnen und einen Teilhubboden für die flexible Nutzung vom Babyschwimmen bis zum Rettungsschwimmer-Training sowie Wassertemperaturen bis zum Warmbaden bei 30 Grad bieten das favorisierte Bad. Einem Freizeitbad mit Unterhaltungswert erteilte Altenburg ebenso eine Absage wie einem großen Außengelände, einer Gastronomie oder einer kostentreibenden Saunalandschaft. Kassenautomaten senken die Personalkosten, die neben den Energiekosten den größten Betriebskostenblock darstellen.

Funktional, überschaubar und vor allem an einem gut erreichbaren Standort mit ÖPNV-Anschluss und ausreichend Parkraum sollte das neue Schwimmbad sein. Altenburg: „Wir waren zu Beginn unserer Analyse sehr überrascht, dass das nächste Schwimmbad in 20 Kilometer Entfernung ist. In NRW finden Sie alle sieben bis acht Kilometer eine Schwimmhalle.“ Trotzdem sei der Schwimmsport ein wichtiger Faktor in Sportstadt Schwarzenbek, der von mehreren Vereinen wie DLRG oder SIWA sicheres Wasser auch ohne eigene Halle am Leben gehalten wird. „Eine Schwimmhalle ist nicht nur wichtig für die Schulen und Vereine, sondern auch für die Firmen, in denen betriebliches Gesundheitsmanagements immer bedeutender wird. Betrachten Sie ein Hallenbad nicht nur als Kostenfaktor, sondern auch als Wirtschaftsförderung und als Imagegewinn für Ihre Stadt und die Gemeinden.“

Die Investitionskosten für die erste Wahl mit vier 25-Meter-Bahnen schätzt Altenburg bei sechs bis sieben Millionen Euro. Käme ein Springerbereich hinzu, wie ihn vor allem SIWA für die Rettungsschwimmerausbildung und Lizensierung fordert, erhöht sich das Investitionsvolumen um 500.000 Euro. Das Betriebsergebnis des Hallenbades würde eine Unterdeckung von 370.000 Euro ausweisen zuzüglich 390.000 Euro Kapitaldienst. Der Springerbereich verschlechtert das Ergebnis um weitere 66.000 Euro aufgrund der hohen Investitionskosten ohne gleichzeitig ansteigende Einnahmen.

Fünf Euro Eintrittsgeld für Erwachsene, drei Euro für Jugendliche und 12,50 Euro für zwei Erwachsene und drei Kinder/ Jugendliche sind der Kalkulation zugrunde gelegt. Problematisch kann der Fachkräftemangel sein, denn Personal wurde in der Vergangenheit zu wenig ausgebildet.

Die Machbarkeitsstudie ist auf der Homepage der Stadt Schwarzenbek unter www.schwarzenbek.de öffentlich zugänglich. Sie wird sicherlich in den kommenden Monaten für viel Diskussionsstoff in Schwarzenbek und Umgebung sorgen. Schon in der Fragerunde nach der Präsentation wurde deutlich, dass vor allem der Springerbereich sehr unterschiedlich bewertet wird.

Burkhard Wenzel, Vorsitzender der DLRG Schwarzenbek, bekannte: „Wir haben keine großen Wünsche und freuen uns, wenn wir endlich wieder eine Halle bekommen.“ Dann könne auch das von der DLRG geförderte Projekt der Wassergewöhnung für Kita-Kinder endlich mit Leben gefüllt werden.

„Machen Sie rasch, denn es wird nicht billiger. Die Baukosten steigen jedes Jahr“, rief Dietmar Altenburg den gut 100 Zuhörern zu, die einen aufschlussreichen Vortrag erlebten und viele Informationen mit nach Hause nehmen können. „Das müssen wir nun erstmal sacken lassen und uns die Studie, die auch für mich ganz neu ist, genau ansehen“, betonte Schwarzenbeks Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig. Zusammen mit Amtsvorsteher Klaus Hansen von Schwarzenbek-Land nahm sie abschießend die umfangreiche Studie in Empfang.

Kostenlose Nachrichten aus dem Herzogtum Lauenburg
Kostenlose Nachrichten Mobil
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen