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Lübeck (LOZ). Es sollte ihr bis dahin größter Auftrag werden, doch es wurde ihre größte Niederlage. Nur knapp ist Camilla Schmidt an der Insolvenz und der Zahlung eines Schadenersatzes in Höhe von 200.000 Euro entgangen. „Gestehe Dir Fehler ein und mache aus diesem Wissen mehr“, lautet seitdem einer ihrer Grundsätze im Geschäftsleben, sagte die 23-Jährige auf der fckup N8 in der Lübecker Zeugnerei im Schuppen 9 vor rund 120 Zuhörern.

Die IHK zu Lübeck lädt alle sechs Monate zu dieser Veranstaltung ein, um mit Unternehmern oder Gründungsinteressenten auch über das Scheitern zu sprechen. Eröffnet hatte den Abend Poetry-Slammer Florian Hacke aus Kiel. Der aktuelle Landesmeister 2018 im Poetry-Slam betrachtete die Hürden der eigenen Familienplanung mit viel Wortwitz und stellte klar: „Ich habe keine Texte, die nicht vom Scheitern handeln.“

Scheitern gehört zum Unternehmertum, wichtig ist es, die Lehren daraus zu ziehen und es das nächste Mal besser zu machen, rät IHK-Gründungsberaterin Sonja Brockmann. Camilla Schmidt hat aus ihren Erfahrungen gelernt. Ihre Design-Agentur „camilla schmidt & co.“ läuft wieder gut. Als Studentin hatte sie das Unternehmen gegründet, ein Netzwerk von Kreativen erfüllte den Kunden jeden Wunsch. „Dann hatte ich die Chance, an einer großen Ausschreibung teilzunehmen“, sagte sie. Das Briefing mit dem Auftraggeber hatte sie nicht schriftlich festgehalten. „Dann habe ich den Fehler gemacht, nicht noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen, stattdessen habe ich sofort ein Angebot erstellt und es eingereicht, ohne es jemanden aus meinem Netzwerk prüfen zu lassen.“

Obwohl sie eine „Einzelkämpferin“ war, erhielt sie den Auftrag. Schon früh wurde ihr klar, dass sie zu knapp kalkuliert hatte. Zudem hatte sie die Foto-Ideen nicht schriftlich festgehalten, daher konnte der Kunde immer wieder Nachbesserungen fordern. Camilla Schmidt blieb nichts anderes übrig, als weitere Fremdleistungen einzukaufen. Trotzdem gerät sie mit den Fotos in Verzug, und der Kunde forderte Schadenersatz und setzte die junge Frau unter Druck. „Ich konnte nicht mehr arbeiten und wollte die Sache vom Tisch haben. Dazu war es wichtig, mir Hilfe zu holen. Auch das ist eine wichtige Lehre aus der Angelegenheit.“ Das Publikum sprach der jungen Gründerin viel Anerkennung für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen zu.

Unterstützt von Freunden in ihrem Netzwerk, ihrer Familie und einem Rechtsanwalt suchte sie noch einmal den Dialog mit dem Kunden und brachte ihn dazu, gegen Zahlung eines geringeren Geldbetrages auf alle Ansprüche zu verzichten. „Vielleicht war es verkehrt, vielleicht hätte ich es auf einen Gerichtsprozess ankommen lassen sollen. Aber ich stehe zu dieser Entscheidung“, betonte Schmidt. Damit hatte sie sich den Freiraum geschaffen, ohne Belastung in ihre Examensprüfung zur Kommunikationsdesignerin zu gehen und diese mit Erfolg zu bestehen. Bitter wurde es noch einmal, als sie erfuhr, dass der Kunde ihre Ideen für seine Kampagne verwandt hatte. Da es keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Urheberschaft gab, hat sie auf eine Klage verzichtet – und kann heute über die Sache lachen. „Glaube nach jedem noch so schweren Misserfolg an Dich und das Unternehmen“, lautete Camilla Schmidts Fazit, für das sie viel Applaus erhielt.

Über seine unternehmerische Achterbahnfahrt zum eigenen Restaurant berichtete Arsen Arthur Agadschanjan. Der Inhaber von Arsién Sushi Art in Lübeck schilderte sehr emotional von seinem Aus als Profisportler und wie sich nach einer Asienreise die Idee festigte, ein Sushi-Lokal zu eröffnen. Nach finanziellen und persönlichen Krisen laufe das Restaurant mittlerweile sehr gut, sagte der geborene Armenier.

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