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Lübeck (LOZ). Mit dem Appell an die Politik, zügig und nachhaltig Hemmnisse in den Bereichen Infrastruktur, Steuern und Bürokratie abzubauen sowie die Digitalisierung konsequent voranzutreiben, ist die Wirtschaft im HanseBelt in das neue Jahr gestartet.

Auf dem Neujahrsempfang der IHK zu Lübeck forderte IHK-Präses Friederike C. Kühn die Unterstützung der Politik bei der Sicherung von Wachstum und Wohlstand. „Noch wächst die deutsche Wirtschaft, wenn auch weniger stark als in den Vorjahren. Diesen Schwung sollten wir nutzen, um die Folgen des Brexit oder der drohenden Handelskriege zu mildern“, sagte sie vor rund 1.350 Gästen in der Musik- und Kongresshalle Lübeck. „Die Digitalisierung bietet uns große Chancen, die Wirtschaft fit zu machen für die Zukunft. Wir haben gute Möglichkeiten, in diesem Bereich die Nase vorn zu behalten.“

Beim IHK-Neujahrsempfang treten Unternehmerinnen und Unternehmer mit Vertretern von Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Forschung sowie Vereinen und Verbänden in den Dialog. Unter den Gästen waren Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie, Ministerpräsident Daniel Günther, Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz, Finanzministerin Monika Heinold, Bildungsministerin Karin Prien, Innenminister Hans-Joachim Grote und Justizministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack. Auch Staatssekretäre, die Spitzen von IHKs und Handwerkskammern in den fünf norddeutschen Küstenländern, Hochschulen und Verbänden nahmen an dem Empfang sowie dem traditionellen Labskausessen teil. Moderator des Abends war der Fernsehjournalist Christopher Scheffelmeier.

Schwerpunkt des Empfangs war das Thema „Ethik in der Digitalisierung“. Kühn: „Es geht um Werte und Tugenden der Unternehmer im Zeitalter der Digitalisierung. „Auf unserem Neujahrsempfang 2018 haben wir angekündigt, einen Expertenrat aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen einzuberufen. Dieses Gremium haben wir ‚Dialogforum Ethik in der Digitalisierung‘ genannt. Die Teilnehmer stammen aus Unternehmen, der Wissenschaft, den Kirchen und den Gewerkschaften. Auch die junge Wirtschaft ist vertreten, denn diese wird zukünftig die Geschicke unserer HanseBelt-Region gestalten.“

Die IHK will das Bewusstsein für Ethik in der Digitalisierung schärfen. „Wir haben uns die Fragen gestellt: Sind diese Werte anders als bisher? Braucht der Kaufmann von heute und morgen ein neues Wertegerüst, oder bewähren sich die Werte und Tugenden des Ehrbaren Kaufmanns gerade jetzt?“ Wir als Unternehmer in der IHK zu Lübeck wollten diesmal bewusst anders agieren, indem wir uns dieses Themas aktiv annehmen, bevor uns die Gesellschaft dazu auffordert und es uns eventuell auf die Füße fällt“, betonte die Präses.

Der HanseBelt böte bereits beste Voraussetzungen, stellte IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning heraus. In der gleichnamigen Initiative haben mehr als 100 Mitglieder eine Charta unterzeichnet, in der sie sich zu einer modernen, skandinavisch inspirierten Unternehmenskultur bekennen. Diese wichtige Grundlage helfe bei der Digitalisierung und allen Veränderungen, die sie mit sich bringt. „Veränderte Kundenanforderungen und Digitalisierung zwingen die Unternehmen dazu, ihre Geschäftsmodelle anzupassen.“ Vor allem mittelständische Betriebe, die die Digitalisierung als Herausforderung und Chance begriffen, könnten Nischen besetzen und sogar Marktführer werden.

Eine wichtige Voraussetzung sei die Ausbildung. „Die duale Ausbildung ist die wichtigste Antwort auf den sich immer mehr verschärfenden Fachkräftemangel“, betonte der Hauptgeschäftsführer. „Sie funktioniert nur durch das starke ehrenamtliche Engagement. Das muss der Bund bei der Novelle des Berufsbildungsgesetzes beachten. Die Regelungen sollten das Ehrenamt entlasten und gleichzeitig die Attraktivität dieses Bildungsgangs stärken.“ Die IHK wird ihre Anstrengungen für die Ausbildung weiter verstärken wie auch für das Thema Unternehmensnachfolge. „Eine Umfrage zur Nachfolgesituation im Land hat ein besorgniserregendes Bild ergeben: In vielen Unternehmen fehlen Nachfolger. Wir haben daher unser Team verstärkt, um mehr Unternehmen beraten zu können.“

Von zentraler Bedeutung für die Wirtschaft sind Entlastungen von Bürokratie und Abgaben. Bund, Land und Kommunen sollten jetzt die Zeiten der sprudelnden Steuereinnahmen nutzen, um die Abgabenlast der Unternehmen zu senken und so die Voraussetzungen für weitere Investitionen zu schaffen, so Kühn. Für den Ausbau der Infrastruktur sprach sich die Präses für einen „sinnvollen Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie“ aus.

„Der Gesetzgeber sollte festlegen, dass Verwaltungsgerichte bei Klagen gegen Planfeststellungsbeschlüsse innerhalb einer bestimmten Frist zu einem Urteil kommen, wie es in vielen Nachbarländern bereits üblich ist“, sagte sie. „Im Moment wissen wir nie genau, wann es mit einem Projekt weitergeht, wie bei der Autobahn 20. Natürlich hat der Naturschutz einen hohen Stellenwert. Wenn er aber dafür instrumentalisiert wird, um wichtige Projekte auszuhebeln, geht etwas in die falsche Richtung.“ Die Präses hob hervor, dass Schleswig-Holstein mit seiner guten Mischung aus Natur und Wirtschaft eine Vorreiterrolle beim von der Koalition in Kiel festgeschriebenen Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie einnehmen solle.

Um die Bedingungen für die Unternehmen weiterhin zu verbessern, werde die IHK die Politikberatung und die Interessenvertretung intensivieren, kündigte Schöning an. „Außerdem wollen wir unsere Service-Angebote weiter profilieren und noch viel mehr als bisher schon vom Kunden und Mitglied her denken. Die Grundlage dafür ist unser Motto: ‚Innovativ – Herzlich – Kompetent‘.“ Ehren- und Hauptamt der IHK sei es wichtig, zu betonen, dass sie herzlich sind. „Für eine IHK klingt das zunächst ungewöhnlich. Und genau das ist unser Ziel, dass wir überraschend anders sind als erwartet. Und das passt wieder zum Titel des heutigen Abends: Werte.anders!“, so Schöning.

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