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Kongress für „Frauen in Führung im Norden“ gestaltet Arbeitswelten von morgen

Lesezeit: 4 Minuten

(LOZ). Mit dem Appell an Wirtschaft und Politik, mehr Frauen den Zugang in Führungspositionen zu erleichtern, ist heute der zweite Kongress für „Frauen in Führung im Norden“ der IHK Schleswig-Holstein in der Musik- und Kongresshalle Lübeck gestartet.

Auf der zweitägigen Veranstaltung diskutieren die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das Thema „Meine Arbeitswelten“. Unter den Gästen waren Schleswig-Holsteins Justiz- und Gleichstellungsministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack, Lübecks stellvertretender Stadtpräsident Klaus Puschaddel und Erk Westermann-Lammers, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH).

Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein, sagte: „Die Digitalisierung ist ein Trend, an dem wir nicht vorbeikommen, weder im Beruf noch im Privatleben. Wir Unternehmer müssen uns dem Thema stellen und die Arbeit von morgen gestalten.“ Dazu gehörten auch die Arbeitswelten von Frauen. „Das Potenzial an gut ausgebildeten Frauen ist groß, doch leider fehlt es noch immer an zeitgemäßen Ideen, ihnen den beruflichen Wiedereinstieg nach einer Familienphase zu erleichtern. Daher kommen auch immer noch zu wenig Frauen in Führungspositionen“, betonte die Präsidentin.

Sie verwies auf eine aktuelle IHK-Studie, der zufolge weniger als ein Drittel der Führungspositionen in Schleswig-Holstein von Frauen besetzt seien. An der Spitze der Unternehmen seien es noch unter 20 Prozent. „Das ist zwar eine leichte Verbesserung im Vergleich zur vorigen Erhebung, aber da ist noch viel Luft nach oben“, so Kühn.

Unterstützung erhielt sie von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. „Mehr als die Hälfte aller Abiturienten und Hochschulabsolventen sind weiblich. Es gibt damit immer mehr potenzielle weibliche Führungskräfte und Unternehmensgründerinnen.“ Der Fachkräftemangel sei mittlerweile zu groß, um auf das Potenzial von Frauen zu verzichten.

„Ein höherer Frauenanteil in Führungsetagen ist nicht nur für den geschäftlichen Erfolg eines Unternehmens wichtig. Frauen bereichern auch die Kultur und die Arbeitsweise im Unternehmen, denn ihnen gelingt es leichter, sich in ihre Mitarbeiter hineinzuversetzen.“ Er ergänzte: „Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Jedes Gremium, in dem zur Hälfte Frauen und Männern saßen, war effektiver und produktiver als ein einseitig besetztes.“

Der Regierungschef lobte das Engagement der IHK Schleswig-Holstein beim Thema „Frauen in Führung“ und dankte Friederike C. Kühn für ihre Initiative. „Sie haben es sich zur Herzensangelegenheit gemacht. Ich kenne keine andere Frau bei uns im Norden, die ihr eigenes Unternehmen, die Familie und das Ehrenamt so gut unter einen Hut bringt wie Sie und dabei Initiativen anstößt wie diese“, sagte Günther. Der Kongress trage maßgeblich dazu bei, dieses wichtige Fachkräftethema voranzutreiben.

Auch Dr. Katarzyna Mol-Wolf sprach sich dafür aus, dass Frauen und Männer gemeinsam die Arbeitswelten von morgen gestalten sollten. „Gleichberechtigung ist keine Frauenbewegung. Veränderungen werden wir nur gemeinsam mit Männern erreichen“, betonte die Chefredakteurin und Herausgeberin der Hamburger Frauenzeitschrift „Emotion“. In ihrer Keynote rief sie Frauen dazu auf, mutig zu sein, an sich selbst zu glauben, sich Ziele zu setzen und diese zu verfolgen. „Die Angst vor dem Scheitern ist unbegründet. Falls wir einmal scheitern, können wir uns immerhin sagen, dass wir es versucht haben. Und beim nächsten Mal machen wir es besser.“

Sie sprach aus Erfahrung. Vor rund zehn Jahren hat sie die Zeitschrift dem Hamburger Gruner+Jahr-Verlag abgekauft. „Ich hatte damals das Geld nicht, aber ich habe andere für meine Idee begeistern können, weil ich an mich geglaubt habe“, so Mol-Wolf. Das habe sie bereits als kleines Kind gelernt. Als gebürtige Polin ist sie im damals kommunistischen Polen aufgewachsen. Ihre Mutter habe sich bereits früh der Demokratiebewegung angeschlossen und ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Als die Familie nach Deutschland kam, hatte sie nichts. Jetzt ist die promovierte Juristin Herausgeberin einer Zeitschrift. Mit „Emotion“ will sie den Frauen Mut machen und eine Plattform zum Austausch und für gute Beispiele geben.

In Fachforen und Barcamps konnten die Frauen sich zu den Themen „Netzwerk schlägt Hierarchie“, „New Work – Und nun?“ oder „Digital durchstarten – bessere Chancen für Frauen“ austauschen. „Dieser zweitägige Kongress ist eine wunderbare Plattform für die Vernetzung. Schon beim ersten Kongress vor zwei Jahren haben sich viele neue Partnerschaften ergeben“, sagte Kühn.

Am Abend verlieh die IB.SH in einer Galaveranstaltung wieder ihren Unternehmerinnenpreis. „Dieser Preis ergänzt unser Kongressprogramm wunderbar“, betonte Kühn. „Auch dieses Mal haben sich wieder tolle, von Frauen geführte Unternehmen beworben. Die Gewinnerinnen und auch alle Bewerberinnen belegen erneut, wie groß das Potenzial an weiblichen Geschäftsideen und Innovationen ist.“ Die IB.SH unterstütze mit dem Preis das Ziel der IHK, mehr Frauen zum Gründen oder zur Übernahme eines bestehenden Unternehmens zu motivieren.

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