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Lübeck (LOZ). „Scheitern ist Mist. Oder?“ Mit dieser Frage beschäftigten sich drei Speaker und mehr als 100 Teilnehmende bei der fünften Lübecker fckup N8 in der Zeugnerei im Schuppen 9.

„Diese Veranstaltungsreihe der IHK Schleswig-Holstein ist eine Plattform für Unternehmerinnen und Unternehmer, um über ihre Erfahrungen zu berichten“, sagte Martin Ehleben. Als Referent für Existenzgründung bei der IHK zu Lübeck habe er täglich mit Menschen zu tun, die sich selbstständig machen möchten. „Egal, wie gut man vorbereitet ist – Scheitern ist immer möglich.“ Umso wichtiger sei der offene Dialog darüber.

Das findet auch Keynote-Speaker Frank Denker: Der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststätten-Verbandes in der Hansestadt Lübeck ist seit 23 Jahren selbstständig. Heute betreibt er erfolgreich das Billard Sport Casino an der Kanalstraße. Als Sportler kennt er sich mit Misserfolgen aus. „Klar, wer weniger scheitert als andere, gewinnt.“ Wichtig sei jedoch, das Scheitern nicht als Niederlage zu begreifen, sondern als Chance. Dazu gehöre auch, auf die Bedürfnisse der nächsten Generation einzugehen, etwa beim Thema Ausbildung.

Die Bedürfnisse der nächsten Generation – damit hat auch Jörg Schmidt Erfahrung. In den 90er-Jahren übernahm er die Videothek City Video in der Hüxstraße. Gleich zu Anfang erweiterte er die Ladenfläche und das Angebot. Den Blick stets auf seine Kundschaft gerichtet, bot Schmidt schnell nach deren Aufkommen in den 2000ern DVDs an. 2011 fiel dem Geschäftsführer erstmals auf, dass Kunden Filme häufig schon im Internet gesehen hatten – und darum weniger Menschen in die Videothek kamen. Mit der Ausbreitung des Internets, das Filme bequem und kostenlos zur Verfügung stellte, wusste Schmidt: „Das war ein Sterben auf Raten.“

Dass es ein langfristiges Scheitern war, half ihm dabei, sich ein zweites Standbein aufzubauen: Seine Frau und er besitzen ein Haus in der Nähe der dänischen Grenze. Heute ist das Anwesen eine Imkerei mit 50 Bienenvölkern, Schmidt und seine Frau verkaufen Honig und andere Produkte. Sein Fazit: „Man muss den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören erkennen.“

Dem stimmt auch Tim Best zu: Als Gesellschafter des Start-ups Founders Chair Inc. in den USA hat er viele Erfahrungen sammeln können – auch, was es heißt, eigene Fehlerquellen zu erkennen. „Rückblickend sehe ich ein, dass unser Konzept nicht ausgereift war.“ Die Plattform, die jungen Unternehmern bei der Gründung helfen sollte, indem sie Personal zur Verfügung stellt, das Ideen (Founder), Fähigkeiten (Finder) oder Geld (Funder) mitbringt, basierte auf einem Konzept, das zu kompliziert war. „Obwohl die einzelnen Komponenten alle stimmten – eine gute Idee, ein tolles Team, gesicherte Finanzierung – war unser Produkt zu unscharf.“

Eine Freundschaft hat unter den Erfahrungen gelitten, zudem hat Best viel Zeit und Energie in das Projekt gesteckt. Trotz allem Negativen zieht er eine positive Bilanz: Er habe gelernt, sich offen mit den Lücken in einem Konzept auseinanderzusetzen und keine Scheu davor zu haben, Fragen zu stellen – auch solche, die zunächst „dumm“ erscheinen. Nur so könne man alle Eventualitäten abklopfen und mögliche Szenarien einkalkulieren. Heute ist Best Inhaber der Software- und Beratungsagentur einz UG in Meddewade im Kreis Stormarn.

Zwischen den Vorträgen unterhielt Björn Katzur die Gäste mit Poetry-Slam-Einlagen, in denen er humorvoll das Thema Scheitern im Alltag beleuchtete. Weitere fckup Nächte richten die IHK zu Kiel am 20. und die IHK Flensburg am 28. November 2019 aus. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.fckupnacht-sh.de.

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