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(LOZ). Anlässlich der „Woche der Menschen mit Behinderung“ möchten die Agentur für Arbeit Bad Oldesloe, das Jobcenter Stormarn und das Jobcenter Herzogtum Lauenburg Unternehmen sensibilisieren, Menschen mit Behinderung eine Chance am Arbeitsmarkt zu geben.

Es gibt viele positive Beispiele. Eines ist der Garten- und Landschaftsbaubetrieb Josten und Josten aus Tremsbüttel, den die Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe in diesem Jahr mit einem Inklusionszertifikat ausgezeichnet hat.

„Mit Blick auf die Daten zum Arbeitsmarkt freue ich mich, dass im Kreis Stormarn die Zahl arbeitsloser Menschen mit einer Schwerbehinderung im Jahresdurchschnitt mit 234 in diesem Jahr 3,7 Prozent unter dem Schnitt des Vorjahres (243) liegt. Damit ist die Arbeitslosigkeit von Menschen mit einer Schwerbehinderung anteilig stärker gesunken als die Arbeitslosigkeit insgesamt (minus 2,7 Prozent)“, sagt Dr. Heike Grote-Seifert, Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe, zu deren Bezirk die beiden Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg gehören.

„Anders die Entwicklung im Lauenburgischen. Hier waren im Jahresschnitt mit 332 arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung drei mehr als im Vorjahr jobsuchend gemeldet. Sie haben leider nicht von der sonst insgesamt positiven Entwicklung der Arbeitslosigkeit zum Vorjahr profitieren können. Ich erhoffe mir eine größere Bereitschaft der Unternehmen, auch engagierten Bewerbern mit Handicap eine Chance zu geben.“

Um Menschen mit einer Behinderung zu beschäftigen, muss ein Unternehmen nicht groß sein. Jonas Josten führt den Tremsbütteler Gartenbaubetrieb, den sein Vater gegründet hat, mit dreizehn Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Zu seinem Team gehören mittlerweile zwei junge Männer, die beide schwerbehindert sind. Marcel Brammen, 25 Jahre alt und in Bad Oldesloe wohnend, ist jetzt seit 15 Monaten bei Josten als Gartenbauhelfer beschäftigt. „Marcel schaffte seinen Einstieg über ein Praktikum und hat sich gut gemacht“, sagt Jonas Josten.

Auch der 23-jährige Timo Kagens aus Elmenhorst arbeitet seit mittlerweile acht Monaten fest bei Josten. Beide benötigen aufgrund ihrer Behinderung ein leidensgerechtes und verständnisvolles Umfeld, das sie bei dem jungen Gartenbauunternehmer gefunden haben.

„Marcel und Timo sind mit viel Freude bei der Arbeit dabei und fester Bestandteil meines Betriebes. Ich bin auch stolz auf mein Team, das sie bei ihrer Arbeit anleitet und super betreut“, sagt Josten zu Agenturchefin Heike Grote-Seifert anlässlich der Auszeichnung seines Betriebes mit dem Inklusionszertifikat der Agentur für Arbeit.

„Ich freue mich, wenn es gerade auch kleineren Unternehmen gelingt, Menschen mit einem Handicap zu integrieren. Das zeugt von viel Engagement, aber auch sozialem Einsatz. Mich begeistert, dass der junge Unternehmer innerhalb relativ kurzer Zeit gleich zwei jungen Männern einen Berufseinstieg ermöglicht hat, wobei er gesetzlich keiner Pflicht zur Beschäftigung* schwerbehinderter Menschen unterliegt. Das möchte ich mit unserem Inklusionszertifikat honorieren und Herrn Josten und seinem Team danken“, erklärt Grote-Seifert und möchte mit dem Zertifikat zur „Woche der Menschen mit Behinderung“ für die Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Handicap werben.

„Nutzen Sie auch das Potential behinderter Menschen. Gut die Hälfte der Jobsuchenden mit einer Schwerbehinderung haben einen qualifizierten Berufsabschluss. Dazu sind Menschen mit einer Schwerbehinderung oft besonders engagiert, wenn sie eine Chance bekommen. Lassen Sie sich von uns beraten“, so Grote-Seifert in Richtung der Unternehmen.

Ansprechpartner und Experte zu den speziellen Beratungs- und Förderangeboten für Menschen mit Behinderung bei der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe ist Robert Klingenberg. Er berät Unternehmen aus den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg rund um die Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Dazu gehört, dass er in den Unternehmen initiativ für die Einstellung jobsuchender Menschen mit Behinderung wirbt. Hierbei arbeitet er auch eng mit den Integrationsfachdiensten oder dem Technischen Berater zusammen, falls zum Beispiel technische Hilfen oder besondere Ausstattungen am Arbeitsplatz notwendig sein sollten.

„Ich stelle in den Gesprächen mit den Unternehmen immer wieder fest, dass es oftmals Unsicherheiten oder Vorbehalte gibt, sei es aufgrund von Fehlinformationen zu den besonderen Schutzrechten schwerbehinderter Menschen oder Zweifeln an deren Leistungsfähigkeit. Diese Unsicherheiten versuche ich zu nehmen“, sagt Klingenberg. „Im Vordergrund sollten ihre Potentiale stehen. Daher ermutige ich die Personalverantwortlichen, sie bei der Besetzung offener Stellen mit in den Fokus zu nehmen. Hierbei berate ich auch zu möglichen Unterstützungs- und Förderleistungen von unserer Seite.“

Unternehmen, die sich gerne beraten lassen möchten, erreichen den Experten bei der Arbeitsagentur unter Telefon 04531 / 167 108 oder per Mail an badoldesloe.161-reha@arbeitsagentur.de.

Hintergrund-Information:

* Das Sozialgesetzbuch IX verpflichtet private und öffentliche Arbeitgeber, die im Jahresdurchschnitt mindestens über 20 Arbeitsplätze im Sinne der §§ 154 ff. Sozialgesetzbuch IX verfügen, wenigstens auf fünf Prozent dieser Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen (= Pflichtarbeitsplätze).

Arbeitgeber, die dieser Verpflichtung nicht nachkommen, haben eine Ausgleichsabgabe pro unbesetzten Pflichtplatz zu zahlen, die abhängig ist vom Grad der Erfüllung der Beschäftigungspflicht. Sie beträgt je Monat und unbesetztem Pflichtplatz mindestens 125 Euro, abhängig von der Beschäftigungsquote steigt die Ausgleichsabgabe auf bis zu 320 Euro.

Seit dem Erhebungsjahr 2016 beträgt die Höhe der Ausgleichsabgabe je Monat und unbesetzten Pflichtplatz:

•125 Euro bei einer Beschäftigungsquote von 3 % bis weniger als 5 %

•220 Euro bei einer Beschäftigungsquote von 2 % bis weniger als 3 %

•320 Euro bei einer Beschäftigungsquote von weniger als 2 %

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