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(LOZ). Ob Transferhub, Chatbot oder E-Lernplattform: Mehr als 17 Millionen Euro will die Landesregierung investieren, um gezielt Projekte zur Künstlichen Intelligenz (KI) in Schleswig-Holstein zu fördern. Eine Investition, die sich lohnt, denn KI ist ein „Querschnittsthema, bei dem Unternehmer aus verschiedenen Branchen vor ähnlichen Herausforderungen stehen“, so Friederike C. Kühn, Präses der IHK zu Lübeck, beim Parlamentarischen Abend im Schleswig-Holsteinischen Landtag, zu dem die IHK gemeinsam mit der Universität zu Lübeck eingeladen hatte.

Eine Delegation der IHK zu Lübeck war mit Präses Kühn und Hauptgeschäftsführer Lars Schöning nach Kiel gereist, um sich über KI-Potenziale für Wirtschaft und Wissenschaft im HanseBelt auszutauschen. 80 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, darunter Landtagspräsident Klaus Schlie, zahlreiche Landtagsabgeordnete, Ministerpräsident Daniel Günther und weitere Mitglieder der Landesregierung, nahmen an der Veranstaltung teil. In der öffentlichen Diskussion ginge es häufig um Risiken, so Kühn, dabei sei es vor allem wichtig, „Raum für Diskussionen über die Chancen, die KI bietet, zu schaffen.“ Die IHK zu Lübeck gehe diesem Auftrag nach, indem sie etwa den Arbeitskreis „Künstliche Intelligenz“ als Austauschplattform geschaffen hat, bei dem Unternehmer und Wissenschaftler Projektideen und technologiebezogene Fragen besprechen können.

Professorin Dr. Gabriele Gillessen-Kaesbach, Präsidentin der Universität zu Lübeck, freute sich über die Kooperation mit der IHK und betonte: „Der KI gehört die Zukunft. Es ist an uns, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik, diese Entwicklung nicht nur voranzubringen, sondern auch zu lenken.“ Der Standort Lübeck biete dafür wunderbare Grundlagen, da sich an keiner Universität in Deutschland die Bereiche Informatik und Medizin so nahe seien wie auf dem Lübecker Campus.

Klaus Schlie, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtags, unterstrich in seiner Begrüßung, wie wichtig es sei, Chancen zum Austausch zu nutzen. „In einer Demokratie muss klar sein: Wie wird sich KI auf unser politisches System und unsere Gesellschaft auswirken? Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst und wollen darüber sprechen.“ Diesen Punkt griff Kühn auf und verwies auf das Dialog-Forum „Ethik in der Digitalisierung“ der IHK zu Lübeck, in dem sich Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Kirche mit dem Wertebild des Ehrbaren Kaufmanns in der digitalen Arbeitswelt beschäftigen.

Ministerpräsident Günther betonte, dass Schleswig-Holstein beim Thema KI eine Vorreiterrolle einnehmen wolle. Die Region Lübeck habe sich bisher sehr gut positioniert; Universität, Technische Hochschule und Unternehmen arbeiten bereits jetzt intensiv zusammen. „Die Landesregierung unterstützt diese Arbeit mit allen Kräften“, so Günther, indem sie 2019 nicht nur ein Sondervermögen von 4,5 Millionen Euro bereitgestellt hat, sondern zudem zehn Millionen Euro aus einem Haushaltsüberschuss sowie weitere drei Millionen Euro aus EU-Mitteln in KI-Projekte investieren will. „Die IHKs sind dabei unsere wichtigsten Partner, und wir wollen mit Hochdruck zusammenarbeiten, um Schleswig-Holstein weiter als KI-Standort zu stärken.“

In kurzen Vorträgen zeigten Wissenschaftler und Unternehmer aus dem HanseBelt Perspektiven der KI auf. Professor Dr. Stefan Fischer, Vizepräsident Transfer und Digitalisierung der Universität zu Lübeck, sprach über den Stellenwert, den KI an der Universität einnimmt: Allein an der Universität gebe es zehn Professuren, die sich mit der KI-Forschung beschäftigen. Wichtig sei dabei nicht nur, Fachkräfte auszubilden, die neue Techniken entwickeln, sondern auch solche, die wissen, wie und wo die Techniken am besten zum Einsatz kommen.

Norbert Basler, Vicepräses der IHK zu Lübeck und Aufsichtsratsvorsitzender der Basler AG in Ahrensburg, die Kameras für Anwendungen in Fabrikautomation, Medizin und Verkehr herstellt, sagte, dass Schleswig-Holstein die Potenziale von KI gut erkannt habe. Um diese bestmöglich zu nutzen, müsse die Regierung weiter investieren: Der Breitbandausbau sei hier enorm wichtig, zudem müsse die Landesregierung die Konditionen für Start-ups weiter verbessern.

Dr. Frank Schröder-Oeynhausen, Geschäftsführer des Technikzentrums Lübeck, gab Einblicke in die Arbeit des TZL und stellte den Start-up-Accellerator GATEWAY 49 vor, der Gründer neun Monate lang mit Coaching sowie finanziell unterstützt. Sascha Klement, Gründer und CTO der Bareways GmbH, sprach über seine Erfahrungen als Start-up-Gründer. Bareways produziert KI-Softwarelösungen für Smartphone-Apps, Fahrerassistenzsysteme und autonome Fahrsysteme. Klement betonte, dass KI nicht nur die Systeme voranbringe, sondern auch die Menschen dahinter: „Sie lernen aus den Fehlern, die die KI macht, und können sie so stetig weiter anwendbar machen.“ Allgemein sei es in der Gründerszene wichtig, Fehler als Teil des Erfolgsprozesses zu erkennen – denn nur so können sich gute Ideen durchsetzen.

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