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(LOZ). Die Welt berichtete am 28. Januar in ihrem Leitartikel über Finanzinvesto-ren aus aller Welt, die das deutsche Gesundheitswesen als Renditeobjekt entdeckt haben.

Der Vorstand der Ärztegenossenschaft Nord eG (äg Nord) warnt eindringlich vor den Folgen dieser Entwicklung und fordert die Politik zum Handeln auf.

„Wir haben wohl nichts aus der Vergangenheit gelernt“, so Dr. Svante Gehring, Vorstandssprecher der äg Nord, „die Privatisierung ehemals kommunaler Krankenhäuser ist bei uns weiter fortgeschritten als in den USA, ohne dass wir eine Verbesserung der Versorgung feststellen konnten.“ Gehring sieht die politische Idee, durch eine Privatisierung zu einer Kostensenkung bei gleichzeitigem Erhalt des Versorgungsniveaus zu kommen, als gescheitert an.

So stünden heute nicht Patienten im Mittelpunkt der Versorgung, sondern deren Erkrankungen in einer Kosten-Nutzenbilanzierung. Gehring erlebe als Hausarzt, dass Patienten, wenn der Fallwert nichts hergebe, gar nicht erst stationär aufgenommen oder "blutig entlassen" werden. Er beobachte unnötige oder zu frühe Operationen und Herzkathetereingriffe. Um mehr Gewinne zu erwirtschaften, seien die Personalkosten gedrückt worden, mitbegründend für den Fachkräftemangel und Pflegenotstand.

"Neben der Überversorgung existiert in Deutschland inzwischen eine genauso eklatante Unterversorgung", so Gehring weiter, "diese Entwicklung wird sich noch verschärfen, wenn Investoren den ambulanten Sektor als renditeträchtig erachten." Die äg Nord sieht die Gefahr, dass die am Patientenwohl ausgerichteten, durch niedergelassene Ärzte getragenen Praxen einem unfairen Wettbewerb - David gegen Goliath - geopfert werden.

Aus Sicht der äg Nord gehört die medizinische Versorgung der Bevölkerung zur Daseinsvorsorge, sie müsse sich am Patienten- und Gemeinwohl ausrichten und nicht an den Partikularinteressen einiger Großinvestoren. Sie sieht den Staat in der Pflicht, die Bürger vor dieser Entwicklung zu schützen. Es müsse endlich über neue intersektorale Versorgungsstrukturen nachgedacht werden. Die Gelder der Versichertengemeinschaft müssen in die neuen Strukturen fließen und ggf. erwirtschaftete Gewinne im System reinvestiert werden, statt auf den Caymans zu verschwinden.

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