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(LOZ). Die erste Covid 19 - Welle hat das deutsche Gesundheitssystem trotz in den Schubladen liegender Pandemiekonzepte etwas unvorbereitet getroffen. „Im Vergleich zu anderen Ländern hat Deutschland dennoch letztlich zu richtigen organisatorischen Maßnahmen gefunden, die uns bisher eine vergleichsweise milde Entwicklung von Covid 19 einbrachten, ohne dass die fast 10.000 Todesopfer und eine große Zahl von langfristig Geschädigten vergessen werden sollten“, stellt Dr. Thomas Schang, Vorsitzender des Dachverbandes der Praxisnetze Schleswig-Holstein, fest.

„Unser System der ambulanten Versorgung durch Haus - und Facharztpraxen hat dabei die Hauptlast der Testungen getragen und sich als ein wesentliches Element zur Beherrschung der Pandemie bewährt.“

Derzeit ist aus teils nachvollziehbaren, aber auch aus irrationalen Gründen ein Nachlassen der Vorsichtsmaßnahmen in der Bevölkerung zu beobachten, das mit einer bereits erkennbaren beschleunigten Verbreitung des Virus einhergeht. Damit kommt auf das Gesundheitssystem mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erhöhte Morbiditätslast zu, für die es nun besser als im Frühjahr gerüstet ist, aber nicht unbedingt ausreichend auf allen Ebenen.

Teststationen werden derzeit stellenweise abgebaut und das zu erwartende erhöhte Testaufkommen wird an die Praxen der Niedergelassenen Ärzte verwiesen. Die Rolle der Gesundheitsämter wird seitens der Politik zwar betont, das hat aber offenbar noch nicht zu einer flächendeckenden, substanziellen und nachhaltigen Behebung des personellen Notstandes des ÖGD geführt.

Wie in jedem Jahr wird die nächste Welle von echter Influenza und grippalen Infekten auf die Praxen zurollen, nur dieses Mal kompliziert durch eine permanente Corona-Pandemie. Jeder grippaler Infekt wird die Notwendigkeit einer Corona Testung begründen. „Dies erfordert eine gute frühzeitige Planung für unsere Netze und Praxen“, erläutert Schang.

Aus den Erfahrungen der 1. Covid 19 - Welle sollten Lehren gezogen werden:

- Fernhalten infizierter Patienten vom allgemeinen Versorgungsgeschehen in Praxen und Kliniken durch Pläne zur kurzfristigen bedarfsabhängigen Bildung von Schwerpunkteinrichtungen, z.B. in speziellen Praxen mit entsprechende finanzieller Kompensation, zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Verdacht auf Covid 19.

- Testungen von Risikogruppen ohne Symptome in Praxen und Gesundheitsämtern, die dazu ausreichend ausgestattet und finanziert werden müssen.

- Die Möglichkeit einer AU-Bescheinigung im Rahmen einer Fernbehandlung in ärztlicher Verantwortung muss wieder zulässig sein. Missbräuchliche Nutzung der Fern AU ohne ausreichende ärztliche Sorgfalt oder ohne Tätigkeit im Rahmen einer Niederlassung oder einer ermächtigten Klinik stellt allerdings einen Verstoß gegen die ärztliche Berufsordnung dar. Es erscheint aber nicht sinnvoll, Digitalisierung mit elektronischem Rezept und elektronischer AU zu forcieren und die derzeit wichtigste Nutzanwendung generell zu untersagen.

- In diesem Jahr müssen alle Anstrengungen von Politik, ÖGD, Kostenträgern und Praxen unternommen werden, eine sehr viel höhere Impfquote als bisher insbesondere gegen Influenza und Pneumokokken zu erzielen.

Die zu treffenden Maßnahmen und Pläne können sich je nach regionalen Gegebenheiten unterscheiden müssen aber in allen Regionen frühzeitig konsentiert und bekannt sein.

„Ärztenetze haben sich vielerorts bereits an der Bewältigung der 1. Welle beteiligt und sind auch weiterhin bereit, an der langfristigen Bekämpfung der Pandemie in Kooperation mit KVen, Kostenträgern und dem ÖGD mitzuwirken“, versichert Schang.

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