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(LOZ). Jobverlust, Kurzarbeit oder unerwartete Ausgaben können große Lücken ins Budget reißen. Wenn das Konto schon tief im Minus steckt und das Geld nicht mehr für laufende Kreditraten reicht, wird es höchste Zeit zu handeln. Im Gespräch mit der Bank lässt sich oft eine Lösung finden und Überschuldung vermeiden.

Ein Girokonto mit Dispokredit ermöglicht finanziellen Spielraum: Kontoinhaber können ihr Girokonto damit bis zum vereinbarten Rahmen überziehen. Die Grenze liegt meist bei zwei oder drei Monatsgehältern. Diese Schulden lassen sich flexibel zurückzahlen, doch das kann gerade bei knappen Einkommen lange dauern. Banken lassen sich diesen Service zudem gut bezahlen. Bis zu 14 Prozent Zinsen kostet der Dispokredit pro Jahr. Er eignet sich deshalb höchstens, um einen finanziellen Engpass bis zum nächsten Gehaltseingang zu überbrücken.

Anders sieht es aus, wenn das Konto auf Dauer überzogen ist. „Einige Kontoinhaber gewöhnen sich an, diese Schulden über Monate oder Jahre zu verschleppen, ohne sie abzubauen“, sagt Michael Herte, Referent für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Wer über ein Jahr durchschnittlich 2.000 Euro Dispokredit beansprucht, zahlt bei einem Zinssatz von 14 Prozent etwa 280 Euro nur für Zinsen.

Dispo gegen einen Ratenkredit tauschen

In solchen Fällen kann ein Ratenkredit der Ausweg sein. Ratenkredite sind weniger flexibel, dafür aber preisgünstiger. Der Kreditnehmer spart Zinsen und kann Raten und Zeitraum für die Rückzahlung selbst festlegen. Banken sind verpflichtet, ihre Kunden in bestimmten Situationen zum Abbau der Schulden zu beraten. Wenn zum Beispiel ein Kontoinhaber seinen Dispokredit länger als sechs Monate zu durchschnittlich 75 Prozent ausschöpft, muss die Bank ein Beratungsgespräch anbieten (§ 504a BGB). Dabei ist allerdings Vorsicht geboten: Wenn der Ratenkredit der Hausbank ebenfalls hohe Zinsen vorsieht oder sogar mit einer Restschuldversicherung verbunden wird, kann es noch teurer werden. „Betroffene holen in solchen Fällen am besten Angebote anderer Banken ein und vergleichen die Kreditverträge kritisch“, empfiehlt Michael Herte. Unterstützung und unabhängigen Rat dazu bietet die Verbraucherzentrale.

Wenn das Geld nicht für die Kreditraten reicht

Wer einen laufenden Kredit zurückzahlen muss und mit den Raten in Rückstand gerät, sollte schnell handeln und mit der Bank sprechen. „Bei allgemeinen Verbraucherkrediten gibt es oft die Möglichkeit, eine längere Laufzeit und kleinere monatliche Raten zu vereinbaren“, so Herte. Wenn Arbeitslosigkeit oder Krankheit der Grund für die finanzielle Notlage sind, lohnt es sich zu schauen, ob mit dem Kredit eine Restschuldversicherung abgeschlossen wurde. Diese Versicherungen sollen Kreditnehmer absichern, falls sie Darlehensraten – zum Beispiel aufgrund von Jobverlust, längerer Krankheit oder Tod – nicht zahlen können. Restschuldversicherungen sind oft teuer und erhöhen die Kosten einer Finanzierung erheblich, aber in manchen Fällen können Betroffene der Corona-Krise die Leistungen beanspruchen und davon profitieren.

Vorsicht mit „schufafreien Krediten“

Vorsicht ist bei Kreditvermittlern geboten, die mit „unbürokratischer Hilfe“ oder „schufafreien“ Krediten werben. „Darauf ist kein Verlass, stattdessen entstehen oft zusätzliche Kosten und am Ende ist der Schuldenberg nur noch größer“, warnt der Finanzberater. Echte Unterstützung bei Schuldenproblemen bieten öffentliche Schuldnerberatungsstellen und die Beratung der Verbraucherzentrale.

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