Unterwegs im Norden

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(LOZ). Gleich neben Warnemünde erstreckt sich die Rostocker Heide – Deutschlands größter Küstenwald ist ein Geheimtipp für Wanderer und Radler. Meer, Wind und Wald schaffen ein einzigartiges Klima, das Körper, Geist und Seele guttut.

Die erste Reihe ist hier nicht der beste Platz, wenn man ein Baum ist: Nur wenige haben es geschafft, gerade zu wachsen. Die meisten sind vom Ostseewind gebeugt und zerzaust. Nur wenige Schritte liegen zwischen dem schattigen Waldweg und dem sandigen Ostseestrand. Die Brandung rauscht, salzige Seeluft weht herüber. Trotz der oft kräftigen Brise wächst hier in der Rostocker Heide der größte zusammenhängende Küstenwald Deutschlands. Auf 6.000 Hektar erstreckt er sich entlang der Ostseeküste zwischen dem Breitling, einer lagunenartigen Erweiterung der Unterwarnow bei Warnemünde, und Wiederort bei Graal-Müritz. Mehr als 60 Kilometer markierte Wege führen durch die touristisch bislang wenig entdeckte Rostocker Heide, und so wandert oder radelt man hier oft fast allein durch den stillen Wald. Ab und zu blitzt die Ostsee durch und lädt zu kleinen Badestopps ein.

Drei Klimazonen auf engem Raum

Schon die Stille in der weitläufigen Landschaft tut der Seele gut, für positive Effekte auf Körper und Geist sorgt aber auch die besondere Beschaffenheit der Küstenregion bei Rostock: „Auf engem Raum hat man hier ganz verschiedene klimatische Bedingungen – die kühlere Seeseite, den windgeschützten Küstenwald und den Bereich landeinwärts dahinter, wo es oft deutlich wärmer ist. Und die Temperaturunterschiede zwischen Wasser und Land sorgen für einen intensiven Austausch der Luft”, erklärt Wetterexperte Stefan Kreibohm. Der Fernseh-Meteorologe ist in der Region zu Hause und fügt hinzu: „Wald an sich ist ja schon gesund – hier kommt hinzu, dass an vielen Tagen frische Seeluft hereinweht”. Drei Klimazonen in direkter Nachbarschaft – das findet sich kaum anderswo.

Die Natur als Spa-Center

Nicht nur für Allergiker ist ein Spaziergang in der Rostocker Heide daher eine wunderbare Erholung. Die Luft ist durch die Filterfunktion der Bäume nämlich nicht nur rein und pollenarm, sie ist noch dazu mit Spurenelementen und Mineralstoffen aus dem Meer angereichert. „Ein natürliches Inhalationsgerät” nennt Dr. Christine Teichert, Kur- und Badeärztin in Warnemünde, die Brandungsluft. Auch deshalb bietet sich die Ostseeküste hier für Klimakuren an: Thalasso-Anwendungen etwa stehen hoch im Kurs – sie nutzen die gesundheitsfördernde Kraft des Meeres und seiner Elemente. „Wasser, Sonne und Luft, Sand, Schlick und Algen – sie alle wirken schon für sich, zusammen entfalten sie besondere Heilkräfte”, meint die Badeärztin. Auch zehn Thalasso-Kurwege sind in der Rostocker Heide ausgewiesen. Jeder der Wege hat einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad, der sich nach dem Kalorienverbrauch auf der Strecke bemisst.

Entdeckerpfad Biologische Vielfalt

Die Rostocker Heide besteht zudem aus ganz verschiedenen Natur- und Lebensräumen: Meer und Küste, Wald und Wiesen, Heideflächen, Mooren und Teichen. Auf dem Entdeckerpfad Biologische Vielfalt, der knapp drei Kilometer durch die Rostocker Heide führt, lernen Kinder und Erwachsene an zehn Stationen mit Aktivitäten und Infotafeln Fauna und Flora der Region spielerisch kennen. Wer mit dem Rad unterwegs ist, findet auf weiteren acht Kilometern noch einmal fünf Stationen. Zwischen nachgebildeten Riesengrashalmen fühlen sich Besucher beispielsweise fast so klein wie ein Käfer in einer Sommerwiese. In der Waldapotheke erfahren sie, wie man aus Kiefernnadeln Hustensaft machen kann. Und im Fledermaushaus gibt es eine Rutsche ganz im Dunkeln.

Voller Erlebnisse steckt aber auch der Wald selbst. Mannshohe Farne und dichte Birkenhaine säumen den Weg, im Wechsel mit hoch aufgeschossenen Kiefern, üppig grünen Fichten und knorrigen, manchmal riesigen Buchen und Eichen. Schon vor Jahrzehnten hat man hier bei Rostock mit einer planmäßigen Renaturierung begonnen, um einem Mischwald aus Laub- und Nadelbäumen beim Wachsen zu helfen. Den können Gäste heute wieder erleben. Besonders beeindruckend sieht er übrigens vom Wasser betrachtet aus – ein schieres Meer aus Bäumen. Und auf den Wegen in seinem schattigen Innern läuft es sich oft wie am Strand. Auch das ist ein Erlebnis für sich: durch einen Wald zu spazieren und dabei unter den Füßen weichen Sand zu spüren. Und das nicht nur vorn, in der ersten Reihe.

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