Geesthacht (LOZ). „Bitte nehmen Sie Rücksicht“, diesen Appell formuliert die Stadtverwaltung Geesthacht stetig mit Blick auf die Verkehrssituation vor den städtischen Schulen.
Denn: Im direkten Umfeld der Schulen sind zwar Geschwindigkeitsbegrenzungen und meistens auch Parkverbote ausgewiesen. Leider halten sich aber nicht alle Verkehrsteilnehmenden an die geltenden Regeln. Viele Eltern bringen ihre Kinder per Auto direkt bis vor die Schuleingangstür – fahren die Lehreinrichtung teils mit überhöhter Geschwindigkeit, gar entgegen von Einbahnstraßenregelungen an. „Diese Eltern-Taxis im direkten Umfeld der Schule machen den Schulweg für alle gefährlicher, sie lassen die Straßen sehr voll und für die Kinder unübersichtlich werden. Wenn dann noch eine längere Verabschiedung im oder am Auto ansteht, stauen sich schon mal einige Wagen vor der Schule“, haben Mitarbeitende des Fachdienstes Öffentliche Sicherheit beobachtet. Sie bitten daher: Begleiten Sie die Kinder zur Schule – aber, wenn möglich, bitte zu Fuß oder per Fahrrad. Das habe neben der Sicherheit weitere Vorteile: Es macht die Kinder noch selbstständiger, trägt zu ihrer Gesundheit bei und ist gut für unser Klima.
Ob und wenn ja welche baulichen Maßnahmen die Situation vor den Schulen verbessern könnten, wird immer wieder diskutiert. Besonders im Fokus derzeit: Die Grundschule in der Oberstadt (Gido) und die Bertha-von-Suttner-Schule (BvS), für die die Stadtverwaltung im jüngsten Ausschuss für Bau, Feuerwehr und Katastrophenschutz (9. März 2026) denkbare Maßnahmen vorstellte. Zur Einordnung: Seit 2024 beschäftigen sich Stadtpolitik und Stadtverwaltung intensiv mit der Verkehrslenkung insbesondere an der Gido. Im April 2025 hatte sich die Stadtpolitik für den Ausbau einer Kiss&Go Zone, die Überprüfung der Doppelbushaltestelle am Dösselbuschberg, das Errichten einer Schrankenanlage am Schulweg und die Ausweisung der Straße „Am Ilensoll“ als Schulstraße entschieden. Dieser Auftrag wurde dann von der Stadtverwaltung tiefergehend auf Umsetzbarkeit und mögliche Auswirkungen für das Quartier überprüft – ein Ergebnis: Vor der Einrichtung einer Schulstraße und der zeitweisen Sperrung von Schulweg und Am Ilensoll für den Verkehr, muss ein sechs- bis zwölfmonatiger Verkehrsversuch erfolgen, so fordert es das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus Schleswig-Holstein.
Von der Verlegung der Bushaltestellen am Dösselbuschberg, die bei einer vorherigen Ausschusssitzung diskutiert wurde, möchte die Stadtverwaltung nach Rücksprache mit Polizei und Busunternehmen Abstand nehmen. Durch diese Verlegung hätten Kinder, die den ÖPNV nutzen, weitere Wege auf sich nehmen und den zeitweise stark befahrenen Dösselbuschberg queren müssen. „Die Nutzerinnen und Nutzer des ÖPNV würden benachteiligt, weil ihr Schulweg unattraktiver und potenziell unsicherer werden würde. Dabei muss es unser Anliegen sein, den Schulweg möglichst sicher zu gestalten, die Nutzung des ÖPNV zu fördern und eher den Individualverkehr – also die Elterntaxis – und damit das Verkehrsaufkommen rund um die Schule zu reduzieren“, erklärt die Stadtverwaltung ein.
Im derzeitigen Konzept soll die Bushaltestelle „Schulzentrum“ dort verbleiben, wo sie sich derzeit befindet. Sie soll jedoch barrierearm umgestaltet werden. Auf dem öffentlichen Parkplatz nahe der BvS könnte auf etwa 52 Metern Länge eine Kiss-and-Go-Zone eingerichtet werden, die für kurze Stopps zum Bringen und Abholen von Schülerinnen und Schülern gedacht ist.
Wird diese Kiss-and-Go-Zone eingerichtet, müssen jedoch Ersatzparkplätze geschaffen werden, damit sich die bereits angespannte Parksituation nicht noch weiter zuspitzt. Parkplätze für Lehrerinnen und Lehrer können neben dem Schuleingang entstehen. Die Fläche wird derzeit für Fahrradständer genutzt, die in die Nähe der künftigen Containeranlage verlegt werden sollen.
Unabhängig vom Verkehrsversuch werden zeitnah einige der Fahrbahnverengungen an der Straße Dösselbuschberg zurückgebaut. „Beobachtungen haben gezeigt, dass die aktuellen Verengungen eher dazu anreizen, schnell an den Engstellen vorbeizufahren als das Tempo zu reduzieren. Für das Konzept wird vorgeschlagen dafür in zwei Bereichen mehrere Parkflächen entlang der Fahrbahn einzurichten. Das hätte gleich zwei positive Effekte: Die neuen Parkflächen könnten die vorhandene Stellplatzknappheit etwas entspannen und zudem – anders als die bisherigen Fahrbahnverengungen - zu einer echten Verkehrsberuhigung beitragen. An geparkten Fahrzeugen fahren Verkehrsteilnehmende erfahrungsgemäß vorsichtiger vorbei als an Verkehrsinseln oder anderen baulichen Hindernissen“, erklärt die Stadtverwaltung.
Den Verkehrsversuch möchte die Stadtverwaltung – vorausgesetzt das Konzept wird von der Politik mitgetragen – nächstes Jahr, nachdem ein normaler Schulbetrieb der BvS wieder gegeben ist, durchführen. Denn: Bis zum Start des neuen Schuljahres im August 2026 sollen an der BvS zahlreiche Container aufgestellt werden – eine Maßnahme, die zurzeit höchste Priorität hat. Die dafür notwendigen Bauarbeiten samt Anlieferungsverkehr würden im Verkehrsversuch das Bild von der Verkehrslage am Dösselbuschberg verzerren und möglicherweise falsche Vergleichswerte produzieren. Hinzu kommt: Aktuell wird nur ein Teil der rund 670-BvS-Schülerinnen und -Schüler am Dösselbuschberg unterrichtet. Die anderen Klassen lernen seit dem Brand, bei dem im November 2025 Teile der Gemeinschaftsschule beschädigt wurden, in anderen Räumen im Stadtgebiet und werden voraussichtlich nach den Sommerferien im Zuge der Inbetriebnahme der Container an den Dösselbuschberg zurückkehren.
Eine erste Testzählung, die an drei Tagen im Februar 2026 jeweils in den Zeitfenstern 6.30 Uhr bis 13.15 Uhr bzw. 14.15 Uhr an der Straße Schulweg durchgeführt wurde, ergab: Täglich fuhren zwischen 382 und 506 Kraftfahrzeuge in dem betrachteten Bereich, zu Spitzenstunden (7 bis 8.15 Uhr) 128 bis 181 Fahrzeuge. Die Kraftfahrzeuge machten grob die Hälfte der Verkehrsteilnehmenden im Schulweg aus, die andere Hälfte ist zu Fuß/per Bus oder per Fahrrad unterwegs.
Ob und in welchem Zeitfenster die Vorstellungen der Verwaltung für das Schulzentrum der Oberstadt umgesetzt werden, entscheidet sich voraussichtlich im April. Denn dann werden die anstehenden Baumaßnahmen, die der Fachdienst Tiefbau plant, im Ausschuss für Bau, Feuerwehr und Katastrophenschutz diskutiert und priorisiert.
