Geesthacht (LOZ). Wie steht es um Geesthachts Kita-Plätze? Das Interesse an diesem Thema ist groß – nicht nur bei betroffenen Familien, sondern angesichts der angespannten Haushaltslage auch bei vielen weiteren Einwohnenden der Stadt.
In den vergangenen Monaten war die Kita-Platzsituation in Geesthacht mehrfach Thema im Sozialausschuss. Denn: Nachdem über Jahre viele Betreuungsplätze fehlten und die Schaffung neuer Plätze Priorität hatte, hat sich die Lage nun verändert. Geesthacht steuert auf eine optimale Versorgungsquote in allen Bereichen (Elementarplätze, Krippenplätze) zu, musste und muss dafür auch weiterhin allerdings an einigen Stellschrauben drehen.
Zur Verdeutlichung ein Blick auf die konkreten Zahlen: Zum Stichtag 15. Januar 2026 überstieg das Platzangebot an Geesthachter Kitas die Anmeldezahlen um 155 Plätze. Im Sozialausschuss am 3. Februar 2026 wurden die Zahlen in öffentlicher Sitzung präsentiert – und zudem ein Blick auf die kommenden Entwicklungen ermöglicht. Demnach werden nach der Darstellung bis März 16 weitere Plätze belegt. Eine komplette Elementargruppe (20 Plätze) wird derzeit zu den freien Plätzen gezählt, steht faktisch aber nicht zur Verfügung – vor der Inbetriebnahme müssen durch den Träger Umbauarbeiten erfolgen. Ein weiterer Träger hat eine Gruppe, in der für 15 Kinder Platz wäre, nicht eröffnet – auch diese Plätze zählen in der Statistik als „unbelegte Plätze“. Darüber hinaus werden an einigen Einrichtungen – so ist es auch gängige Praxis - Plätze bewusst freigehalten, zum Beispiel weil bekannt ist, dass Krippenkinder in Elementargruppen wechseln werden. Insgesamt ist ein gewisser Puffer an freien Plätzen auch vorteilhaft und sogar erwünscht, weil auf kurzfristige Bedarfe reagiert werden kann. Dies ist der Fall, wenn z.B. jemand nach Geesthacht zieht und einen Platz benötigt oder ein Kitawechsel erforderlich wird.
In diesem Sommer wird ab Juni 2026 die Kita Kolibri am Weizenring an den Start gehen. Dadurch erweitert sich das Angebot an Plätzen aufwachsend auf zunächst 70 Plätze in drei Krippen- und zwei Elementargruppen. Insgesamt werden dort mittelfristig 150 Plätze zur Verfügung stehen. Außerdem entstehen im Stadtzentrum voraussichtlich ab 2027 durch einen bereits genehmigten Anbau an der Kita St. Barbara 40 neue Betreuungsplätze. „Vorübergehend wird es ein Überangebot von Plätzen geben. Das wurde erkannt und darum werden nun Maßnahmen ergriffen, damit mittelfristig das Angebot dem Bedarf entspricht“, erklärt Geesthachts Erste Stadträtin Melanie Grimm-Meyer, die als Leiterin des Fachbereichs Ordnung und Soziales für das Thema Kita zuständig ist.
So sind in diesen Zahlen noch die Plätze der übergangsweise errichteten Container-Kitas im Edmundsthal, kürzlich umbenannt in Kita Naturkinder, (45 Plätze) und der Kita bei der St.Petri-Kirche (95 Plätze) eingerechnet. Gemäß Beschluss des Sozialausschusses im November 2025 wurde beim Kreis ein Antrag auf Streichung dieser Kitas aus dem Bedarfsplan zum nächstmöglichen Zeitpunkt gestellt. Darüber wird im Jugendhilfeausschuss des Kreises Herzogtum Lauenburg entschieden. Die Folge wäre eine Schließung dieser Kitas bis spätestens Sommer 2028. Auch eine zusätzlich in der Rudolph-Messerschmidt-Straße angedachte Kita wird nicht mehr realisiert.
„So soll verhindert werden, dass wir in der Stadt langfristig ein Überangebot an Kita-Plätzen haben“, erklärt Stadträtin Melanie Grimm-Meyer. „Wir werden nun die notwenigen Gespräche mit den Kita-Trägern fortführen – unter anderem auch darüber, ob innerhalb bestehender Kitas noch Elementarplätze in Krippen- oder Integrationsplätze umgewandelt werden können. Diese werden in Geesthacht nämlich dringend benötigt und zugleich würden Elementarplätze, von denen wir aktuell zu viele haben, abgebaut.“
Zur grundsätzlichen Einordnung: Die Kita-Bedarfsplanung ist Aufgabe des Kreises Herzogtum Lauenburg, in dessen Jugendhilfeausschuss der Kita-Bedarfsplan auch beschlossen wird. Die Stadtverwaltung Geesthacht liefert für die Bedarfsplanung Daten und Informationen zu, die dann gemeinsam mit der Kreisverwaltung in die Rechnungen einbezogen werden. Die Bedarfsermittlung setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen:
- Vorhandene Bevölkerung laut amtlicher Statistik und die anzunehmende Bevölkerungsentwicklung
- Mehrung dieser Zahl durch den sich aus zusätzlichen Wohneinheiten ergebenden Bedarf
- Versorgungsquote aus Gesamtkinderzahl im Verhältnis zu Betreuungsplätzen
„Die Situation im Kita-Bereich ist sehr dynamisch. Wir wissen nie genau, wie viele Kinder geboren werden, welche Familien ihre Kinder zu welchem Zeitpunkt in einer Kita betreuen lassen wollen und welche Geesthachter Familien sich für eine Geesthachter Kita entscheiden“, ordnet Melanie Grimm-Meyer grundsätzlich ein. „Gemeinsam mit dem Kreis Herzogtum Lauenburg, der für die Kitabedarfsplanung zuständig ist, werden darum unterschiedlichste Szenarien durchdacht, um dann die Anzahl der zu schaffenden Plätze festzulegen. Das Ergebnis der jüngsten Gespräche ist: Im Kita-Jahr 2027/2028 ist es das Ziel 1185 Ü-3-Plätze anbieten zu können, was einer Versorgungsquote von 100 Prozent entspricht. Im Krippenbereich sollten 475 Plätze vorgehalten werden, was voraussichtlich einer Versorgungsquote von 60 Prozent entspricht.
„Die Kitabedarfsplanung legt nicht die aktuellen Anmeldezahlen in Geesthachter Kitas zugrunde. Als Stadt sind wir verpflichtet, jedem Geesthachter Kind einen Kindergartenplatz anbieten zu können – ohne zu wissen, ob auch alle Geesthachter Familien ihre Kinder in einer Geesthachter Kita betreuen lassen möchten. Zum Zeitpunkt der jüngsten Kommunalgespräche mit dem Kreis wurden zum Beispiel 148 Geesthachter Kinder außerhalb von Geesthacht in einer Kita betreut. Wir können dies aber planerisch für die Zukunft nicht berücksichtigen, weil wir nicht wissen, ob das so bleiben wird“, verdeutlich die Erste Stadträtin die Komplexität des Themas.
Und noch ein weiterer Umstand erschwert die Planung: Die Stadtverwaltung weiß heute nicht, wieviele Kinder zu welchem Zeitpunkt in welcher Kita angemeldet werden. „Und wir wissen ebenso nicht, wieviele Plätze zu welchem Zeitpunkt konkret in welcher Kita angeboten werden“, weist Melanie Grimm-Meyer darauf hin, dass Gründe wie Personalnotstände oder bauliche Notwendigkeiten dazu führen können, dass zeitweise Betreuungsplätze von Kitas nicht angeboten werden können.
