Ratzeburg (LOZ). Die Naturschutzverbände BUND, NABU und Natur Plus e.V. Panten fordern den Kreis Herzogtum Lauenburg dazu auf, bei der anstehenden Neuverpachtung von rund 200 Hektar Ackerland diese ausschließlich an Betriebe zu verpachten, die eine ökologische, Arten- und Klimaschutz berücksichtigende Bewirtschaftung gewährleisten. Nach der Vertagung des entsprechenden Antrags von CDU und Grünen im Haupt- und Innenausschuss sehen die Verbände nun die Chance für eine grundlegende Neuausrichtung der kreiseigenen Landverpachtung.
Dramatische Diskrepanz zwischen Zielen und Realität
Die aktuellen Zahlen zeigen das Ausmaß der Herausforderung: Von den insgesamt 2.200 Hektar Domänenfläche des Kreises werden derzeit nur 160 Hektar ökologisch bewirtschaftet – das entspricht lediglich sieben Prozent der Fläche. Dabei sind ambitionierte politische Ziele auf allen Ebenen längst beschlossen: Der Bund strebt bis 2030 einen Ökolandbau-Anteil von 30 Prozent an, das Land Schleswig-Holstein will von derzeit 8 auf über 14 Prozent fast verdoppeln. Die Landesregierung hat mit der Biodiversitätsstrategie „Kurs Natur 2030“ einen Masterplan für die biologische Vielfalt erstellt, die besagt, dass die Umsetzung der Maßnahmen bis zum Jahr 2030 erfolgt (LT-Drucksache 19/3266).
Die Staatssekretärin Katja Günther sagte dazu: „Wir erleben einen dramatische Artenverlust. Die Biodiversitätsstrategie des Landes ist ein wichtiges Instrument, um die Trendumkehr einzuläuten. Es geht um nichts Geringeres als den Erhalt unserer Lebensgrundlagen“.
Landrat Dr. Mager hat sich klar zum 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens bekannt – die ökologische Landwirtschaft kann einen wichtigen Beitrag zur Senkung der CO₂-Emissionen leisten.
"Die öffentliche Hand hat eine besondere Verantwortung als Vorbild", betont Anne Christina Remus, Mitglied im Kreisvorstand des BUND. "Wenn schon der Kreis als öffentlicher Eigentümer diese Ziele nicht unterstützt, wie sollen dann private Landwirte motiviert werden."
Gewässerschutz und Biodiversität im Fokus
Besonders problematisch sehen die Verbände die Situation bei den Ackerflächen: Während die 1.228 Hektar Naturschutzflächen (im wesentlichen Ausgleichsflächen) des Kreises bereits ökologisch orientiert bewirtschaftet werden müssen, stammen Stoffeinträge in die Gewässer überwiegend aus konventionell bewirtschafteten Ackerflächen. "Hier liegt der Schlüssel für wirksamen Gewässer- und Klimaschutz", betont Eckhard Kropla vom Verein Natur Plus e.V. Panten.
Auch in Bezug auf den Biodiversitätsschutz gibt es einiges auf den kreiseigenen Flächen nachzuholen. Die Verbände verweisen auf ein positives Beispiel aus der Region zur Entwicklung der Feldlerchenpopulation auf Gut Ritzerau. Hier hat sich, nach der Umstellung auf eine ökologische Bewirtschaftung, der Bestand der Feldlerche verzwanzigfacht. (LN-Artikel vom 07.08.2023; „Studie zeigt: Biolandbau schützt die Artenvielfalt“)
Chance für Neustart nach der Sommerpause
Die Vertagung des Beschlusses auf September bietet nach Ansicht der Naturschutzverbände die Möglichkeit für eine grundlegende Überarbeitung der Vergabekriterien. Sowohl die Verwaltung als auch CDU und Grüne haben bereits Kriterien für die Vergabe entwickelt – nun gelte es, diese konsequent auf ökologische Bewirtschaftung auszurichten.
"200 Hektar mögen klein erscheinen, aber sie sind ein wichtiger Baustein, um überhaupt in die Größenordnung der bundes- und landesweiten Zielvorgaben zu kommen", argumentieren die Verbände. "Als öffentliche Hand hat der Kreis hier eine moralisch-ethische Verpflichtung, die er wahrnehmen muss."
Die Naturschutzverbände appellieren daher an alle Fraktionen des Kreistages, die Sommerpause für intensive Beratungen zu nutzen und im September einen wegweisenden Beschluss zu fassen, der eine ausschließliche Verpachtung an ökologisch wirtschaftende Betriebe vorsieht.
