Mölln (LOZ). Seit Juni 2022 ist Ingo Schäper Bürgermeister von Mölln, zur Halbzeit seiner ersten Amtszeit bekam er jetzt Besuch von Martin Habersaat. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Abgeordneter aus Reinbek, nutzt in jedem Jahr die etwas ruhigeren Sommermonate, um die Verwaltungschefs seines Wahlkreises und seiner Betreuungswahlkreise abseits von Tagesordnungen zu ausführlicheren Hintergrundgesprächen zu besuchen. Dabei geht es dann um persönliche Arbeitsschwerpunkte, anstehende Herausforderungen oder langfristige Entwicklungen, auf die Land und Kommunen sich einstellen müssen. In Mölln standen die Themen Inklusion und Bildung im Mittelpunkt sowie die Frage, ob das Rad eigentlich vor Ort immer wieder neu erfunden werden muss.
Aktion Mensch und das Land unterstützen mit dem Förderprogramm „Inklusion vor Ort“ vier Kommunen in Schleswig-Holstein. Eine davon ist die Stadt Mölln mit ihren Sozialpartnern, dem Don Bosco-Haus für das behinderte Kind und dem Lebenshilfewerk Kreis Herzogtum Lauenburg gGmbH. Die Partner haben es sich zum Ziel gemacht, ein Netzwerk aufzubauen, das inklusive Lebensräume vor Ort entwickelt und gestaltet. Dabei geht es um Barrierefreiheit und Veranstaltungen, Stadtfeste und gemeinsame Projekte. Ingo Schäper: „Im Fokus stehen alle Menschen, die in Mölln leben, egal wie alt oder jung sie sind oder wo sie geboren wurden. Ziel ist es, Menschen zu beteiligen. Ein Ansatz, der mir als Bürgermeister dieser Stadt besonders wichtig ist.“
Ein großes Vorhaben für die Stadt ist der Schulberg mit Grundschule, Gemeinschaftsschule und Gymnasium. Es gibt Sanierungs- und Neubaubedarfe an allen Schulen, das Volumen schätzt Schäper auf eine hohe zweistellige Millionensumme. Losgehen soll es mit der Gemeinschaftsschule. Martin Habersaat: „Landesweit haben wir an den Schulen einen Investitionsbedarf von über zehn Milliarden Euro. Und die Lage anderswo ist mit der in Mölln sehr vergleichbar. Die Stadt Eckernförde etwa, Heimat des Ministerpräsidenten, muss ihr Schulzentrum mit Gemeinschaftsschule und Gymnasium sanieren und in Teilen neu bauen. Es sieht derzeit nicht so aus, als könne der geplante Kostenrahmen von 87,5 Millionen Euro gehalten werden. In Wentorf und Ahrensburg wird über ähnliche Größenordnungen geredet. Martin Habersaat: „Unsere Schulen sehen derzeit nicht alle so aus, als hätten wir das Jahr 2025. Aus meiner Sicht muss das Land den Kommunen helfen, das zu ändern. Mit einem Musterraumprogramm, das einen Schleswig-Holstein-Standard beschreibt, aber auch in der konkreten Umsetzung. Bei manchen Kommunen ist die Höhe der Investitionen das Problem, bei anderen der Umfang der Projekte, der für die Hochbauabteilung im Rathaus kaum zu stemmen ist.“ Musterlösungen, die regional angepasst werden können, wünscht Schäper sich auch für Feuerwehrhäuser und Fahrzeuge.
Aber nicht nur die baulichen Entwicklungen an den Schulen müssen im Auge behalten werden. Schäper: „Die Gewalt an den Schulen nimmt zu. Der Bedarf an Schulsozialarbeit steigt. Und es ist auch nicht zu verstehen, warum das Land ausgerechnet beim Bereich Deutsch als Zweitsprache den Rotstift ansetzt. In den DaZ-Klassen sitzen die Kinder und Jugendlichen, bei denen wir am meisten erreichen können.“ Martin Habersaat: „Das alles sind Themen, die mir im Bildungsausschuss des Landtags immer wieder begegnen. Es ist wichtig, die Probleme vor Ort klar zu benennen, damit in Kiel auch an Lösungen gearbeitet wird.“ Die Einschätzung des Ministerpräsidenten beim Wechsel der Bildungsministerin, es solle an den Schulen möglichst alles so weitergehen, teilt der gelernte Gymnasiallehrer ausdrücklich nicht.
