Ratzeburg (LOZ). Die Volkshochschule Ratzeburg und Umland lädt am Mittwoch, 25. März, um 17.30 Uhr zu einem Vortrag unter dem Titel "Kriegsenkel und die Weitergabe von Traumata" in den Ratssaal des Ratzeburger Rathauses. Das Thema Kriegsenkel und Weitergabe von Traumata ist mittlerweile durch die Medien sehr in die allgemeine Öffentlichkeit gelangt – die Babyboomer-Generation kommt immer mehr ins Räsonieren über ihre Prägungen durch das Elternhaus und die Folgen fürs Leben.
Als Kriegsenkel bezeichnet man die Generation, die zwischen 1955 und 1975-80 geboren ist. Es sind die geburtenstarken Jahrgänge derjenigen, deren Eltern in der Nazizeit und im zweiten Weltkrieg Kinder und Jugendliche waren. Kriegsenkel werden sie genannt, weil da noch ein Zusammenhang besteht: ihre Eltern haben als Kinder traumatische Leiden erlebt. Nach dem Krieg bekamen die allerwenigsten Hilfen, das Grauen zu verarbeiten. Sie begannen mit der Wiederaufbauarbeit der jungen Bundesrepublik und der DDR. Der Preis war allerdings Gefühlsarmut, Kontrolliertheit, Misstrauen allem und jedem gegenüber, einen Hang zum Negativen und übersteigerte Ängstlichkeit. Dementsprechend haben sie ihre Kinder, die Kriegsenkel, erzogen.
Oberflächlich betrachtet war alles da und die Kriegsenkel sind behütet aufgewachsen: Vater, Mutter, Geschwister, Haus, sichere Arbeitsverhältnisse. Trotzdem erlebten sie zuweilen ein stilles Drama: Kälte, emotionale Leere, kein Kuscheln, diffuse Ängste, die niemand auffing. Deshalb ist bei vielen dieser Generation heute das Grundgefühl: Unsicherheit, Haltlosigkeit, immer auf der Hut sein müssen, keine längerfristigen Bindungen eingehen können, das Gefühl nirgendwo wirklich dazu zu gehören, ein Leben mit angezogener Handbremse.
Referentin Mari Böhrk-Martin bietet im Anschluss an den Vortrag eine Gesprächsrunde an. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Ein barrierefreier Zugang ist möglich.
