Überarbeitung des umstrittenen Entwurfs der neuen Förderrichtlinie wird zugesagt
Büchen (LOZ). Auf Einladung des Arbeitskreises der Ganztagsschulkoordinatoren und mit Unterstützung durch das Schulamt und den Fachdienst Kindertagesbetreuung, Jugendförderung und Schulen des Kreis Herzogtum Lauenburg nahmen am Donnerstag, 3. Juli Vertreter der Landtagsfraktionen aus SPD, CDU, FDP und Bündnis 90/Grüne sowie Dr. Maike Abshagen (Abteilungsleiterin für bildungspolitische Querschnittsaufgaben, Lehrkräftenachwuchs und Lehrkräftepersonalverwaltung im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein) im Schulzentrum Büchen an einer Podiumsdiskussion mit mehr als 90 interessierten Gästen teil.
Während Dr. Abshagen und die Vertreter der Landtagsfraktionen von CDU und Grünen (Rasmus Vöge und Oliver Brand) betonten, der vorgelegten Förderrichtlinienentwurf erfülle sein Ziel „konkrete finanzielle Anreize zum sukzessive quantitativ und qualitativ Ausbau des Ganztags in seinen unterschiedlichen Formen und den regionalen Gegebenheiten zu schaffen“ wurde dies von den Vertretern der Landtagsfraktionen von SPD und FDP (Martin Habersaat und Christopher Vogt) sowie den betroffenen weiteren Podiumsgäste (Vertreter von Eltern, Ganztagsträgern, Ganztagskoordinatoren, Schulleitungen, päd. Mitarbeiter und Kooperationspartner) grundsätzlich in Frage gestellt.
Insbesondere die Festlegung auf starre Fachkräftequoten in den einzelnen Modellstufen und die Vorgaben zu konkreten Angeboten (in Art und Anzahl) stehen im krassen Widerspruch zum im Rahmenkonzept formulierten Anspruch „Im Mittelpunkt stehen die Interessen und Bedürfnisse der Grundschulkinder.“
Liane Maier (Schulleiterin der Grundschule Schwarzenbek Nordost) betonte, dass – als ihre Schule (als gerade im November 2024 ausgezeichnete erste Kinderrechtsschule in Schleswig-Holstein) ihr Ganztagsangebot partizipativ mit den Kindern zusammen entwickelt wird und für qualitativ hochwertige Ganztagsangebote die Zusammenarbeit des Vor- und Nachmittags und vor allem aber auch die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams von entscheidender Bedeutung ist.
Sabine Schratzberger-Kock (Leiterin der OGS Wentorf) betonte, dass der bisherige Ausbau der Ganztagsangebote und die im Kreis Herzogtum vorhanden hohe Qualität dieser genau dem dort seit Jahrzehnten erfolgreich tätigem Personal zu verdanken ist. Man habe bewusst Quereinsteiger als Mitarbeiter angeworben und diese in den letzten Jahren fortlaufend weiterqualifiziert um den steigenden Herausforderungen gerecht zu werden.
Um eine möglichst hohe Förderung des Landes zur Deckung der Betriebskosten zu erhalten, müssten nach dem vorliegenden Entwurf die bewährten Mitarbeiter sukzessive durch Menschen mit formaler päd. Ausbildung ersetzt werden. Hier könne in keinem Fall von einer Steigerung der Qualität der Arbeit gesprochen werden. Dies bestätigte ebenfalls Andreas Hock (langjähriger pädagogischer Mitarbeiter der OGS Wentorf) und betonte, mit Wertschätzung der derzeitigen Mitarbeiter hätten die Pläne nichts zu tun.
Nadine Frömter (Amt Büchen – Träger der Offenen Ganztagsschulen in Büchen und Müssen) und Tanja Heppner (DRK Betreuungsdienste – als Träger der OGS Wohltorf) machten deutlich, dass die gewünschten Fachkräfte (erst recht nicht im ländlichen Raum) auf dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht zur Verfügung stehen. Es würde der Konkurrenzkampf um pädagogisch ausgebildete Fachkräfte zwischen Kitas und Schulen verstärkt. Zudem wünsche sich Bewerber häufig Teilzeitverträge (auf Grund eigener Kinder) und damit Arbeitszeiten am Vormittag, während die Offenen Ganztagsschulen Mitarbeiter mindestens im Zeitraum von 12 Uhr bis 16 Uhr benötigen.
Die teilnehmenden Fachkräften und auch die Elternvertreterin Katja Henning von der Offenen Ganztagsschule Krummesse sowie der Leiter der VHS Reinbek, Simon Bauer, betonten, dass die vorgelegte Förderrichtlinie dringend an die Realität angepasst und wesentlich offener und flexibler ausgestaltet werden muss, wenn sie ermöglichen soll, die seit Jahrzehnten entwickelte hohe Qualität der Ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote im Kreis Herzogtum Lauenburg fortzusetzen und weiterzuentwickeln.
Es bleibt spannend, welche Anregungen der direkt Betroffenen aus der Praxis Dr. Abshagen und das Bildungsministerium nun wirklich in die zugesagte Überarbeitung von Rahmenkonzept und Förderrichtlinie einbeziehen werden.