Mölln (LOZ). Die FDP Herzogtum Lauenburg hat am vergangenen Samstag im Möllner Quellenhof ihre Direktkandidaten für die Landtagswahl aufgestellt und dabei ein klares Signal gesendet: Der Kreisverband zieht geschlossen, selbstbewusst und mit zwei sehr unterschiedlichen, aber jeweils stark getragenen Kandidaturen in den beginnenden Landtagswahlkampf.
Für den Wahlkreis 34 (Lauenburg-Nord) wurde Christopher Vogt mit 100 Prozent der Stimmen erneut zum Direktkandidaten gewählt. Der 42-jährige Wirtschaftsingenieur aus Nusse ist auch FDP-Landesvorsitzender und Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion und machte in seiner Bewerbungsrede schnell klar, worum es im kommenden Wahlkampf aus seiner Sicht gehen wird: Um Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und die Frage, ob Politik für den Alltag der Menschen tatsächlich noch funktioniert.
Christopher Vogt sagte zu seiner erneuten Kandidatur für den Landtag: „Der Staat muss sich wieder deutlich besser um seine wesentlichen Kernaufgaben wie Sicherheit, Bildung und Infrastruktur kümmern, sich aber nicht unnötig in alle möglichen Lebensbereiche einmischen. Der Bürokratiewahnsinn hat mittlerweile nahezu alle Bereiche erreicht und lähmt nicht nur unsere Wirtschaft, sondern unsere Gesellschaft insgesamt. Davon sind längst nicht nur Unternehmer betroffen, sondern auch Bürgermeister, Vereinsvorsitzende, Ärzte und die allermeisten Bürger in ihrem Alltag. Das wollen wir konsequent ändern. Es braucht einen Mentalitäts- und Stimmungswechsel in unserem Land: Die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger muss wieder gestärkt werden. Mit einer Vollkasko-Mentalität und immer mehr Misstrauen gegenüber den Bürgern kommen wir nicht voran. Die FDP Schleswig-Holstein wird sich im Wahlkampf konsequent für mehr Chancengerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit einsetzen. Es braucht wieder solide Staatsfinanzen und einen klaren Fokus auf die Bildungs- und die Wirtschaftspolitik. Der Rechtsstaat muss gestärkt werden und in der Fläche präsent bleiben. Die Migration muss sinnvoll gesteuert werden: Wer sich integriert, ist herzlich willkommen. Wer dies nicht tut, muss unser Land möglichst schnell wieder verlassen.“
Im Bund müsse sich die FDP neu aufstellen, um wieder wahrnehmbarer Lösungen anbieten zu können, die es so dringend braucht. Deutliche Kritik übte Vogt an der Bildungspolitik der schwarz-grünen Landesregierung: „Die Kürzungen bei den Lehrerstellen führen zu noch mehr Unterrichtsausfall, während alle Bildungsstudien nachlassende Leistungen der Schülerinnen und Schüler dokumentieren. Die Inklusion ist in Teilen gescheitert und geht allzu oft zu Lasten von Schülern, Eltern und Lehrkräften. Unsere Kommunen brauchen eine bessere Finanzierung durch Bund und Land und mehr Freiräume zur Entwicklung. Es kann auch nicht sein, dass das Land trotz der Sonderschulden für die Infrastruktur bei uns im Kreisgebiet nicht mehr, sondern sogar weniger Landesstraßen saniert als bisher geplant.“
Das Ergebnis zeigte, dass die Mischung aus landespolitischer Zuspitzung und konkreten Vorschlägen im Saal ankam. Die erneute Nominierung Vogts war nicht wie eine bloße Formsache, sondern ein kraftvolles Votum für einen Kandidaten, der im Kreis tief verwurzelt ist und zugleich die politische Debatte in Kiel sichtbar mitprägt.
Auch im Wahlkreis 35 (Lauenburg) setzte die FDP mit der Wahl von Emilia Krause aus Grabau zur Direktkandidatin ein klares Signal. Die 24-jährige Juristin und Vorsitzende der Kreislandjugend wurde bei nur einer Enthaltung einstimmig gewählt. Sie machte in ihrer Rede deutlich, dass sie besonders einer Gruppe wieder mehr politische Aufmerksamkeit verschaffen will: Der jungen Generation auf dem Land. Krause kennt diese Lebenswirklichkeit aus eigener Erfahrung. Sie weiß, wie junge Menschen im ländlichen Raum ticken, was sie beschäftigt und was sie von der Politik erwarten: „Es geht ihnen nicht um große Worte, sondern um echte Chancen, Verlässlichkeit und das Gefühl, dass ihr Alltag überhaupt gesehen wird. Genau dort will ich ansetzen. Mein Ziel sei es, dass die FDP die Partei wird, bei der die Menschen im ländlichen Raum und vor allem wieder die jungen Menschen ihr Kreuz machen.“
Krause betonte, wie das Leben auf dem Land attraktiver und fairer organisiert werden kann. Das Land müsse insgesamt besser angeschlossen werden, nicht nur verkehrlich, sondern auch politisch und gesellschaftlich. Zugleich warb sie dafür, dem Ehrenamt wieder mehr Wertschätzung zu geben. Gerade in Dörfern und kleineren Gemeinden halte ehrenamtliches Engagement vieles zusammen, was sonst längst wegbrechen würde. Wer Verantwortung übernehme, Gemeinschaft trage und vor Ort anpacke, verdiene nicht nur freundliche Sonntagsreden, sondern echte politische Anerkennung.
Im Anschluss an die Wahlkreismitgliederversammlung trat der Kreisparteitag zusammen. Dort beschloss die FDP Herzogtum Lauenburg unter anderem einen Antrag zur Meinungsfreiheit. Darin bekennt sich der Kreisverband klar zur offenen Debatte, betont aber zugleich, dass strafbare Inhalte konsequent und rechtsstaatlich verfolgt werden müssen. Genau das, so die Kernforderung, müsse Aufgabe staatlicher Behörden bleiben und dürfe nicht auf staatlich finanzierte private Meldestellen oder andere ausgelagerte Strukturen verschoben werden.
Auch die bundespolitische Lage der FDP wurde offen diskutiert. Das Ausscheiden aus dem Stuttgarter Landtag sei für viele Liberale ein herber Rückschlag gewesen. Im Kreisverband überwiegt aber nicht Resignation, sondern die Überzeugung, dass liberale Politik gerade jetzt gebraucht wird und wieder verständlicher, nahbarer und konkreter werden muss.
